FAZ plus ArtikelÖlförderer Wintershall

Strippenzieher in der Diktatur

Von Bernd Freytag, Mainz
Aktualisiert am 22.10.2020
 - 07:02
Heinrich Himmler mit August Rosterg im KZ Dachau
Der größte deutsche Ölförderer Wintershall war tief in die Machenschaften der Nationalsozialisten verstrickt. Die Gründer beförderten den Aufstieg der NSDAP.

Einen Ausdruck des Bedauerns, den gab es schon. Den Bedenken des Großaktionärs „im Hinblick auf die Arierfrage“ habe man Rechnung tragen müssen, schrieben die Aufsichtsräte Heinrich Schmidt, Günther Quandt und August Rosterg im April 1936, als sie den jüdischen Bankiers Carl Hagen und Albert Plaut eine Wiederwahl in das Kontrollgremium verweigerten.

Der Landesvertreter Thüringens wünschte nämlich keine Nichtarier im Aufsichtsrat der Wintershall AG. Im Freistaat Thüringen, wo die NSDAP schon 1932 die Machtübernahme feiern konnte, lagen schließlich die meisten Kaliminen des Konzerns. Auch wenn es für die Betroffenen kein Trost gewesen sein mag, wie der Historiker Ingo Köhler schreibt, habe das Trio den langjährigen Geschäftspartnern überschwänglich gedankt und versichert, dass es keinerlei persönliche Gründe für ihr Ausscheiden gebe.

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Quelle: F.A.Z.
Bernd Freytag  - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Bernd Freytag
Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Mainz.
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