Abschreckung gegen Russland

Briten erwägen Truppenerhöhung in Baltikum und Polen

21.01.2022
, 09:51
Britische Soldaten in ihren Fahrzeugen im Dezember 2017 in einem polnischen Wald
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Hunderte Soldaten könnten verlegt werden, sollte Russland seine Präsenz an den Nato-Grenzen erhöhen, heißt es aus London. Derzeit sind 830 Soldaten in Estland stationiert, weitere 140 in Polen.
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Angesichts der russischen Truppenpräsenz an der Grenze zur Ukraine erwägt die britische Regierung laut einem Bericht, Hunderte weitere Soldaten in die baltischen Staaten und nach Polen zu entsenden. Damit solle die Abschreckung gegenüber Russland erhöht werden, berichtete die Zeitung „Times“ unter Berufung auf eine Quelle im Verteidigungsministerium in London.

Derzeit sind in Estland 830 britische Soldaten stationiert, weitere 140 im Rahmen einer Nato-Mission in Polen. Die zusätzlichen Einheiten könnten schnell entsandt werden, sollten die Nato-Verbündeten in Osteuropa mit einer erhöhten Truppenpräsenz aus Russland an ihrer Grenze konfrontiert sein, zitierte das Blatt die Quelle.

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In der Ukraine sind dem Blatt zufolge derzeit ungefähr 100 britische Soldaten im Rahmen einer Ausbildungsmission im Einsatz. Etwa 30 weitere wurden kürzlich entsandt, um die ukrainische Armee im Umgang mit rund 2000 Panzerabwehrraketen zu schulen, die London in die Ukraine schickte.

Die britische Außenministerin Liz Truss warnte den russischen Präsidenten Wladimir Putin unterdessen davor, einen „riesigen strategischen Fehler“ zu begehen. Russland werde für einen russischen Angriff auf die Ukraine einen hohen Preis bezahlen müssen, sagte Truss bei einer Rede im australischen Sydney am Freitag. „Wir sind bereit, erhebliche Sanktionen zu verhängen“, sagte Truss.

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Auch wenn das russische Militär in dem Konflikt mit der Ukraine die Oberhand habe, drohten bei einer Invasion auch Moskaus Armee herbe Verluste, warnte Truss. „Die Ukraine ist ein stolzes Land mit einer langen Geschichte“, betonte sie. „Wenn sie es müssen, werden die Ukrainer kämpfen, um ihr Land zu verteidigen.“

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Der Kreml habe nicht aus der Geschichte gelernt, und versuche die Sowjetunion wieder herzustellen oder eine Art Großrussland, sagte Truss. Eine Invasion der Ukraine werde „nur zu einem furchtbaren Schlamassel und Verlust an Leben führen, wie wir es vom sowjetisch-afghanischen Krieg und dem Konflikt in Tschetschenien kennen“, warnte sie.

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Großbritannien gehört zu jenen westlichen Ländern, die Waffen in die Ukraine exportieren. Dazu zählen etwa auch Panzerabwehrraketen, die der Gegenseite schweren Schaden zufügen können.

Bei ihrem Besuch in Australien zog Truss auch eine Verbindung zwischen dem Ukraine-Konflikt und der Stärkung autoritärer Systeme weltweit – wörtlich erwähnte sich auch China –, die versuchten, ihre „Diktatur zu exportieren“. „Gemeinsam mit unseren Verbündeten werden wir an der Seite der Ukraine stehen und Russland dazu auffordern, zu deeskalieren und an bedeutenden Gesprächen teilzunehmen“, unterstrich Truss. „Was in Osteuropa geschieht, ist für die ganze Welt von Bedeutung.“

Der Westen droht Moskau seit Wochen mit massiven Sanktionen, sollte die russische Armee die Ukraine angreifen. Auf der Suche nach einem diplomatischen Ausweg aus der Krise hält sich derzeit der amerikanische Außenminister Antony Blinken in Europa auf. An diesem Freitag kommt er in Genf mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow zusammen. Am Mittwoch hatte Blinken bereits Kiew besucht, am Donnerstag stimmte er sich bei einem Außenministertreffen in Berlin mit europäischen Verbündeten ab.

In der Ostukraine herrscht bereits seit 2014 Krieg zwischen prorussischen Separatisten und der ukrainischen Armee. Der Westen wirft Moskau die militärische Unterstützung der Separatisten vor, was der Kreml bestreitet. In dem Konflikt wurden bereits mehr als 13.000 Menschen getötet. In der kommenden Woche wird das russische Parlament nach den Worten von Duma-Präsident Wjatscheslaw Wolodin sich mit der möglichen Anerkennung der von der Ukraine abtrünnigen Gebiete befassen. Es gehe um die sogenannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk. Es gebe Sorgen um die Sicherheit der dort lebenden Russen, sagte Wolodin.

Quelle: dpa/AFP
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