FAZ plus Artikel30 Jahre Deutsche Einheit

Die Flucht aus unserer Geschichte

Von Ines Geipel
01.10.2020
, 16:32
Osten als Superopfer, ewiger Schuldwesten? Feierlichkeiten am Brandenburger Tor am 3. Oktober 1990
Die Gewaltmaschine der Ost-Diktatur wurde aus der öffentlichen Erinnerung verdrängt, aber auch die Westdeutschen haben ihre blinden Flecken. Ein Gastbeitrag über das ungleiche kollektive Gedächtnis der Deutschen.
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Die Proben zu Heiner Müllers „Hamlet“-Inszenierung am Deutschen Theater begannen am 29. August 1989. Die Premiere fand erst am 24. März 1990 statt. Der Grund: eine neue Welt. Was endlos aus den Fugen war, schien sich binnen kurzem aufzulösen wie Schmierseife und rückte zurück ins Lot. Es waren auch die sieben Monate, in denen die zweite Diktatur der Deutschen verschwand.

Woche für Woche hatten die Hamlet-Akteure auf dem Weg zu ihren Proben den Akteuren der Straße in der Berliner U-Bahn direkt gegenüber gesessen. Ein Zustand, der bei den Schauspielern zwangsläufig zu der Frage führte: „Soll ich jetzt Hamlet spielen? Es ist so albern.“ Dem Drama, das ansonsten in der Lage war, die Welt zusammenzuhalten, hatte es wie dem Jetzt den Boden entschlagen. Das Ausnahmestück über den Ausnahmezustand der Welt traf auf die Ausnahmerealität der Welt. Als liefen Kunst und Leben Hand in Hand durch eine hyperpolitische Spiegelszene. Wie so spielen?

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