Junges Parteiaustritt

Verloren in der AfD

EIN KOMMENTAR Von Thomas Holl
30.08.2021
, 21:27
Will nichts mehr von der AfD wissen: Uwe Junge
Uwe Junge ist nicht der erste und wohl auch nicht der letzte Politiker, der die AfD im Streit verlässt. Dass der frühere Fraktions- und Parteichef in Rheinland-Pfalz zu den Moderaten dort zählte, ist indes skurril.
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Warum der ehemalige Bundeswehroffizier Uwe Junge acht Jahre brauchte, um zu merken, dass er in der AfD von „NS-Sympathisanten“, „opportunistischen Mandatsträgern“, „politischen Glücksrittern“ und „blökenden Stammtischproleten“ umzingelt ist, bleibt sein Geheimnis. Der frühere Landes- und Fraktionsvorsitzende der AfD in Rheinland-Pfalz hat seinen Parteiaustritt vier Wochen vor der Bundestagswahl zu einer Generalabrechnung vor allem mit Alexander Gauland genutzt. Der wie Gauland aus dem konservativen Teil der CDU stammende Politiker erklärt darin den Machtkampf mit dem völkischen und inoffiziell immer noch überaus lebendigen „Flügel“ um Rechtsaußen Björn Höcke für verloren und damit auch das „Projekt AfD“ für gescheitert. Ein Erkenntnisprozess, der seinem Mitstreiter Jörg Meuthen womöglich erst nach dem 26. September bevorsteht. Es ist ein Prozess, den vor Junge und Meuthen schon etliche in der Versenkung verschwundene „Bürgerliche“ wie die frühere AfD-Vorsitzende und Gauland-Verbündete Frauke Petry durchlaufen haben.

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Dass Junge als Moderater innerhalb der AfD galt, ist ohnehin skurril. Seine homophoben Ausfälle während der Fußball-EM, als er Manuel Neuers Regenbogen-Kapitänsbinde als „Schwuchtelbinde“ bezeichnete, bezeugen das Gegenteil. Dass ihm deswegen selbst der Ausschluss aus einer Partei drohte, zur deren Programm vor allem das Ressentiment gehört, ist ein guter Witz.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Holl, Thomas
Thomas Holl
Redakteur in der Politik.
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