FAZ plus ArtikelGrünes Selbstbild

Baerbocks harte Landung

Von Helene Bubrowski, Berlin
10.06.2021
, 12:52
Lange galt Annalena Baerbock als trittsicher, perfektionistisch und immer gut vorbereitet. Doch das Bild der grünen Kanzlerkandidatin bekommt tiefe Risse. Hat ihre Partei den rauhen Wind an der Spitze unterschätzt?

Als Annalena Baerbock in dem Papierstapel auf ihren Knien nach der richtigen Passage sucht, ist sie noch nicht Kanzlerkandidatin. Es ist zu Beginn des Jahres 2019, in Berlin tobt gerade die Debatte über die Einstufung der Maghreb-Staaten als sichere Herkunftsländer. Die Grünen sind dagegen. Für viele in der Partei ist das eine moralische Frage. Baerbock spricht darüber, unter welchen Bedingungen von Verfolgungsfreiheit im Herkunftsland ausgegangen werden kann. Jetzt hat sie den Satz im Urteil des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 1996 gefunden und liest ihn vor.

Solche Geschichten prägten das öffentliche Bild der grünen Parteivorsitzenden. Die Frau mit dem Master im Völkerrecht von einer renommierten Londoner Universität, die schon mal die Augen verdreht, wenn der Ko-Vorsitzende Robert Habeck im Pressegespräch nicht richtig zum Punkt kommt. Die es managt, mit Säugling im Arm zur Pariser Klimakonferenz zu fahren. Ihr Satz, Habeck komme vom „Hühner, Schweine, Kühe-Melken“, sie dagegen „aus dem Völkerrecht“, klang überheblich, aber im Kern stimmten viele zu, die mit Baerbock schon mal politisch zu tun hatten: CDU-Politiker, die mit ihr in den Jamaika-Sondierungen saßen, loben ihre Detailkenntnisse, grüne Parteifreunde berichten von ihrem Gespür für tickende Bomben und wie oft es ihr gelungen sei, sie zu entschärfen, bevor die Öffentlichkeit Wind davon bekommen hätte.

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Helene Bubrowski - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Helene Bubrowski
Politische Korrespondentin in Berlin.
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