Laschet im Sauerland

„Ich will keine Theorien, ich will einfach nur machen“

Von Reiner Burger, Kirchveischede
Aktualisiert am 26.02.2020
 - 20:26
Bester Laune: NRW-Ministerpräsident Armin Laschet am Mittwochabend beim Politischen Aschermittwoch in Kirchveischede.
Im Ringen um den CDU-Vorsitz hat der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet seinen ersten großen Redeauftritt – ausgerechnet in der Heimat seines größten Konkurrenten Friedrich Merz.

Armin Laschet hält sich am frühen Mittwochabend mit allzu heftigen Attacken auf seine beiden Konkurrenten im Ringen um den CDU-Bundesvorsitz zurück. Aber der eine oder andere Seitenhieb muss beim politischen Aschermittwoch der nordrhein-westfälischen CDU im sauerländischen Kirchveischede schon sein. Norbert Röttgen erwähnt Laschet nicht namentlich, als er von einem Wettbewerber spricht, der lediglich theoretische Überlegungen anstelle. Aber es wird schon klar, wen er meint. „Ich will keine Theorien, ich will einfach nur machen“, ruft Laschet in der vollbesetzten Schützenhalle. Es ist eine Anspielung auf Röttgens etwas weitschweifige Vorstellungs-Pressekonferenz vergangene Woche in Berlin.

Laschet präsentiert sich im Sauerland dagegen als Macher, als Politiker, der die Ärmel hochkrempelt und seit er im Sommer 2017 Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen wurde, praktische Politik für die Leute im Land macht – und deshalb für höhere Aufgaben bestens geeignet ist, weil er weiß, wie’s geht. NRW sei ein Erfolgsmodell findet Laschet. Und ebendieses Erfolgsmodell gelte es nun auf die Bundespolitik zu übertragen – woraus wiederum folgt, dass Laschet Parteichef und später Bundeskanzler werden muss.

Unnötige Fesseln der Bürokratie

Auch Friedrich Merz nennt Laschet nicht beim Namen. Doch die Leute in der Kirchveischeder Schützenhalle wissen wieder gleich, wen der Ministerpräsident meint, als er eines der zentralen Versprechen seines Rivalen erwähnt. Mit ihm an der Spitze, werde es der CDU gelingen, die Wahlergebnisse der AfD zu halbieren, hat Merz mehrfach gesagt. Laschet findet das zugleich vollmundig und theoretisch. Er findet, die „AfD muss durch gute Politik“ bekämpft werden, also wiederum durch ebendie Politik bekämpft werden, die sein schwarz-gelbes Landeskabinett betreibt. Es gehe darum, die Wirtschaft von unnötigen Fesseln der Bürokratie zu befreien, Arbeitsplätze zu schaffen und klare Kante auch beim Thema innere Sicherheit zu zeigen, so wie sein Innenminister Herbert Reul das vormache.

In NRW stehe die AfD deshalb viel schlechter da als in den meisten anderen Bundesländern, sagt Laschet. „Und hier im Sauerland musst Du nicht viel halbieren, hier hat sie nur gut fünf Prozent“, sagt er erntet dafür begeisterten Applaus. Auch das ist eine Spitze gegen Merz – denn dieser stammt aus dem Sauerland. „Wer eine Wertorientierung hat, religiös gebunden ist, der ist resistent gegen die AfD“, ruft der Ministerpräsident den stolzen Sauerländern zu. Die AfD sei nicht der konservative Stammtisch der Leute, die die CDU früher einmal toll fanden, warnt er. „Sie steht gegen unsere Werte.“ Die AfD liefere böse Worte, die böse Taten nach sich zögen, sagt Laschet und erwähnt ausdrücklich den Mord am CDU-Politiker Walter Lübcke, den antisemitischen Anschlag von Halle und den Massenmord von Hanau von vergangener Woche. Keinesfalls dürften christliche Demokraten weder die Tonlage der AfD noch deren Themen übernehmen. „Wir müssen stattdessen schlicht die Probleme der Menschen lösen.“

Der politische Aschermittwoch der nordrhein-westfälischen CDU findet stets im Windschatten statt – zeitlich und geografisch. Denn wenn die christlichen Demokraten aus NRW am frühen Abend zu ihrem politischen Karnevalsausklang zusammenkommen, haben die bayerischen Freunde von der CSU und auch die politische Konkurrenz an ihrem „größten Stammtisch der Welt“ die mehr oder weniger schmissigen Reden längst gehört. Und zudem findet der politische Aschermittwoch der nordrhein-westfälischen CDU traditionell in Kirschveische, also ziemlich weit weg von den nordrhein-westfälischen Metropolen statt. Das macht die Anreise – zumal bei winterlichem Wetter – einerseits zu einem kleinen Abenteuer. Anderseits ist das Abenteuer diesmal besonders reizvoll, denn der Aschermittwoch ist der erste große Auftritte von Armin Laschet im erstaunlichen Ringen gleich dreier Männer aus dem nordrhein-westfälischen Landesverband um die Nachfolge von Annegret Kramp-Karrenbauer. Einem Zufall ist es geschuldet, dass der Sauerländer Merz leicht zeitversetzt zu einem Redeauftritt in Apolda in Thüringen weilt und es zum Fernduell kommt.

Wie schon am Dienstag in der Bundespressekonferenz in Berlin tritt Laschet als Versöhner auf. Es gehe um den Zusammenhalt der verschiedenen Strömungen der CDU, sagt der nordrhein-westfälische Ministerpräsident und verweist auf seine Landespartei als Modell. In der Bundespartei müssten „Christlich-Soziale, Liberale, Konservative – alle zusammen für unsere gemeinsamen Werte“ an einem Strang ziehen.

In NRW habe er alle Strömungen in seinem Kabinett abgebildet, sagt Laschet. Er hoffe, „dass wir das auch irgendwann mal hinkriegen im Bundeskabinett abzuspiegeln, da ist es nämlich heute nicht so.“ Sein Ziel sei, dass die CDU wieder „Volkspartei in allen Facetten auch in der Bundespolitik“ werde. Groß ist der Applaus im Merz-Land, als der Rheinländer ruft: „Wenn wir das schaffen, werden wir die stärkste Partei, dann werden wir den nächsten Kanzler stellen.“

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Burger, Reiner
Reiner Burger
Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.
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