Attentäter von Würzburg

LKA prüft Verbindung zu Krawallen in Chemnitz

30.06.2021
, 14:12
Demonstranten aus der rechtsextremen Szene im August 2018 in Chemnitz
Der Messerstecher von Würzburg soll 2018 Zeuge, womöglich gar Opfer rassistischer Hetzjagden in Chemnitz gewesen sein. Einer Journalistin sagte der Somalier damals, er fühle sich in der Stadt unsicher und wolle weg.

Ermittler prüfen derzeit ein Video, in dem angeblich der Messerangreifer von Würzburg von einem rassistischen Übergriff in Chemnitz berichtet. „Das ist eine Spur“, sagte ein Sprecher des Landeskriminalamtes am Mittwoch in München. Ob der 24 Jahre alte Somalier, der am Freitag in Würzburg drei Frauen mit einem Messer tötete und sieben weitere Menschen teils lebensbedrohlich verletzte, tatsächlich in dem Clip zu sehen ist, werde noch analysiert.

Das Video-Interview zu Chemnitz wurde 2018 von der Funke-Mediengruppe veröffentlicht. Der Anwalt des Somaliers, Hanjo Schrepfer, bestätigte der Zeitung Die Welt, dass einer der in dem Video interviewten Männer sein Mandant sei, der nun unter anderem wegen dreifachen Mordes in Würzburg in Untersuchungshaft sitzt. In dem Clip berichtet dieser, wie er Zeuge eines rassistischen Übergriffs geworden ist.

Somalier fühlte sich in Chemnitz unsicher

Chemnitz war 2018 international in den Schlagzeilen: Nach dem Tod eines Deutschen am Rande eines Stadtfestes gab es in den Tagen danach rassistisch motivierte Übergriffe. Der Streit über die Frage, ob es „Hetzjagden“ auf Migranten gegeben habe, wurde auf Bundesebene zur Zerreißprobe für die große Koalition aus Union und SPD. Der damalige Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen verlor in der Folge sein Amt. Für den Angriff auf den 35 Jahre alten Deutschen am 26. August 2018 verurteilte das Landgericht Chemnitz einen Syrer zu neuneinhalb Jahren Haft – wegen Totschlags und gefährlicher Körperverletzung.

Der Täter im Fall des Messerangriffs von Würzburg, der zuletzt in einer Obdachlosenunterkunft in der Stadt lebte, wurde dem Video zufolge damals Zeuge rassistischer Attacken auf Ausländer. Der Mann war 2015 nach Deutschland eingereist und zuerst in Chemnitz registriert worden. Die Journalistin Johanna Rüdiger von der Deutschen Welle berichtet, wie sie den Somalier und einen mit ihm befreundeten afghanischen Flüchtling 2018 unmittelbar nach den Krawallen in einer Chemnitzer Wohnung traf. Der Afghane soll sichtbare Verletzungen im Gesicht erlitten haben. Der Somalier habe ihr gesagt, er fühle sich in der Stadt nicht sicher und wolle weg aus Chemnitz. Er gehe nicht einmal einkaufen, ohne dass er sich einen Freund zur Hilfe hole. Nach dem Interview habe der Mann Rüdiger noch einmal kontaktiert und um Hilfe gebeten. Er habe sie gefragt, ob sie ihm einen Job in Westdeutschland vermitteln könne. Er habe schon einmal in Düsseldorf gelebt und sich dort viel wohler gefühlt. Rüdiger verwies ihn damals nach eigener Darstellung an Hilfseinrichtungen.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sieht im Fall der tödlichen Messerattacke in Würzburg ein Beispiel für gescheitertes Bemühen, den Mann in Deutschland einzugliedern. Der Zeitung Augsburger Allgemeine sagte er: „Wenn ein junger Mann sechs Jahre in einem Obdachlosenheim lebt, ohne dass jemand hinschaut und sich kümmert, dann kann ich mit unserer Politik nicht zufrieden sein, da fehlt es am Bewusstsein.“

Quelle: dpa/nto.
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