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Auch die Junge Union wirbt jetzt für Laschet

Von Eckart Lohse, Berlin
19.01.2021
, 18:53
Die Junge Union hatte sich Friedrich Merz an der Spitze der CDU gewünscht. Nach dessen Niederlage beim Parteitag stellt sich JU-Chef Tilman Kuban nun hinter den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten.

Wenn die Ebene erst mal schief genug ist, geraten die Dinge ins Rutschen. In der CDU, genauer gesagt: im Lager der Freunde von Friedrich Merz, ist das gerade so. Da wächst seit dem Parteitag am Samstag, bei dem Merz im Rennen um den CDU-Vorsitz dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet knapp unterlag, die Einsicht, dass es nun Zeit ist, der neuen Wirklichkeit ins Auge zu blicken.

Einer, der das am Dienstag tat, ist der Vorsitzende der Jungen Union (JU), Tilman Kuban. „In der Briefwahl habe ich selbstverständlich Armin Laschet gewählt“, sagte Kuban der F.A.Z. Die Junge Union hatte sich im vorigen November bei einer Mitgliederbefragung, wenn auch mit geringer Beteiligung, für Merz ausgesprochen. Kuban hatte stets betont, er werde auf dem digitalen Parteitag für Merz stimmen, weil das Votum der JU für ihn bindend sei.

Ergebnis der Briefwahl am Freitag

Auf den digitalen folgt aus rechtlichen Gründen noch ein Wahlgang per Brief, dessen Ergebnis am Freitag verkündet wird. Dabei können die Delegierten des Parteitags nur noch für oder gegen Laschet stimmen oder sich enthalten.

Kuban sagte nun: „Alle, die mit vollem Eifer für ihren Parteivorsitz-Kandidaten gekämpft haben, sollten sich jetzt genauso leidenschaftlich für den Zusammenhalt in der CDU einsetzen.“ Alle wollten die Menschen überzeugen, dass CDU und CSU das Land besser regieren könnten und die richtigen Ideen für die Zukunft hätten. „Ich habe immer klargemacht, dass sich derjenige, der sich auf dem digitalen Parteitag durchsetzt, danach auf die volle Unterstützung der gesamten Jungen Union verlassen kann, wenn er auch der konservativ-wirtschaftsliberalen Idee ihren Raum gibt. Das wird Armin Laschet tun. Davon bin ich überzeugt.“

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Merz hatte alles getan, um nach seiner Niederlage auch seine größten Fans vor den Kopf zu stoßen, indem er noch am Samstag Laschet vorgeschlagen hatte, er, Merz, werde anstelle des Merkel-Vertrauten Peter Altmaier noch in dieser Legislaturperiode Bundeswirtschaftsminister.

Laschet hat zwar vermutlich von Freitag an auch rechtlich beim größten der drei Koalitionspartner CDU, CSU und SPD das Sagen. Die Vorstellung allerdings, dass er Bundeskanzlerin Angela Merkel, sozusagen als erste Amtshandlung, zu einer Kabinettsumbildung zugunsten ihres alten Gegners Merz drängt, ist bestenfalls originell.

Mit zweieinhalb Tagen Verzögerung merkte das auch Friedrich Merz. Am Montagabend um 21.14 Uhr verschickte die CDU einen Brief von Merz an alle Mitglieder. „Ich bitte alle Delegierten, an der schriftlichen Schlussabstimmung teilzunehmen und unseren neuen Vorsitzenden Armin Laschet mit einem starken Votum auszustatten“, schrieb Merz. Gleich nach der Wahl am Samstag hatte er einen solchen Aufruf noch unterlassen.

Merz: Will weiter für Partei arbeiten

Nun schrieb Merz, auch ohne Amt werde er sein Versprechen einlösen, für die Partei weiter engagiert zu arbeiten. Wie, bleibt abzuwarten. Denn durch den Verzicht, am Samstag für einen Platz im Parteipräsidium zu kandidieren, sind dort nun alle Plätze belegt.

Zerknirscht schrieb Merz: „Zugleich bedaure ich sehr, dass in diesem Zusammenhang am Wochenende Irritationen um meine Person entstanden sind.“ Nicht nur, dass der ein oder andere Unterstützer sich am Montag öffentlich kritisch geäußert hatte. Intern war aus dem Merz-Lager zu hören, es „hagelt“ dort Kritik an ihm.

Kuban lobte Merz am Dienstag für seine Empfehlung, Laschet zu wählen. „Mit seinem Wahlaufruf für Armin Laschet leistet Friedrich Merz einen wichtigen Beitrag zum dringend notwendigen Zusammenhalt in der Union.“

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Lohse, Eckart
Eckart Lohse
Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.
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