Standardwerke werden umbenannt

Der Beck-Verlag passt sich an

EIN KOMMENTAR Von Reinhard Müller
27.07.2021
, 19:41
Der Palandt.
Ohne Palandt und Schönfelder: Auch sehr späte Versuche, sich von einer bestimmten Vergangenheit zu lösen, wollen gefeiert werden. Doch einfach ist das nicht.

Auch sehr späte Versuche, sich von einer bestimmten Vergangenheit zu lösen, wollen gefeiert werden. Doch einfach ist das nicht. Wenn eine Stadt Adolf Hitler zwei Generationen nach Kriegsende aus der Liste ihrer Ehrenbürger streicht, dann mag das wohlüberlegt sein, es ist aber kein heroischer Akt. Der Beck-Verlag, der mit Abstand mächtigste seiner Art, will nun seine wichtigsten Werke umbenennen, die noch Namen von NS-Juristen tragen.

Die Forderung danach ist ebenso alt wie das bisherige Festhalten des Hauses Beck an seinen Bestsellern. Jetzt sollen also die schon jedem Studenten vertrauten „Schönfelder“ und „Palandt“ ihre Namen lassen, und der Grundgesetzkommentar muss künftig ohne „Maunz“ auskommen, der noch lange nach dem Krieg anonym rechtsberatend für rechtsradikale Kreise aktiv war.

Öffentlicher Druck spielte auch eine Rolle

Warum? Der Name Palandt, so heißt es nun, sollte „bislang als Erinnerung an das dunkelste Kapitel deutscher Rechtsgeschichte sichtbar bleiben“. Ein „Denkmal“ sollte ihm damit nicht gesetzt werden. Doch so richtig es ist, dass Geschichte nicht ungeschehen gemacht werden kann – ein größeres Denkmal ist kaum denkbar. Hauptgrund für die Umbenennung, die von Justizministern gleich begrüßt wurde, dürfte auch der öffentliche Druck sein, der geschäftsschädigend werden kann.

Das passt: Der Verlag ist schließlich zur Marke geworden, weil er sich in seiner langen Geschichte stets gut an die gerade herrschende politische Wetterlage angepasst hat.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Müller, Reinhard
Reinhard Müller
Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.
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