Bettina Wulff

Die erste Frau

EIN KOMMENTAR Von Berthold Kohler
18.02.2012
, 19:05
Auch das hat es noch nicht gegeben: Eine Rücktrittserklärung eines Bundespräsidenten mit einer politischen Liebeserklärung an seine Frau.

Wer unbedingt an eine „Medienkampagne“ gegen Christian Wulff glauben wollte, was ziemlich phantasievolle Annahmen über das geheime Beziehungsgeflecht im Untergrund der deutschen Presselandschaft voraussetzte, der musste in den vergangenen Tagen dann aber auch eine Medienkampagne zugunsten von Wulffs Gattin erkennen. Von „Bild“ bis „Stern“ wurde „Bella Bettina“ über den grünen Klee gelobt, als „wunderbare, tapfere Frau“, die Deutschland auch im Ausland bestens repräsentiere.

Ihr Mann, der Bundespräsident, blieb in seiner Rücktrittserklärung nicht hinter diesen Würdigungen zurück: Er habe sie „als eine überzeugende Repräsentantin eines menschlichen und eines modernen Deutschland wahrgenommen“. Der Modernisierer Wulff wollte offenbar auch noch im Abgang neue Maßstäbe setzen, nicht zuletzt für das Amt der „First Lady“. Das scheint ihm umstandslos gelungen zu sein.

Die Kanzlerin, die man bisher für die erste Frau im Staate hielt, dankte Wulff und dessen Frau dafür, Deutschland „würdig vertreten“ zu haben. Es wird nicht leicht für die Nachfolgerin.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Kohler, Berthold
Berthold Kohler
Herausgeber.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot