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Verzicht auf Urwahl

Palmers kluger Schachzug

EIN KOMMENTAR Von Thomas Holl
18.01.2022
, 18:51
Enfant terrible der Grünen: Boris Palmer Bild: ULMER
Dass Boris Palmer sich nicht der riskanten Urwahl der Tübinger Grünen stellt, ist klug. Wird er als unabhängiger Kandidat wieder zum OB gewählt, wäre das für die Parteispitze ein Debakel.

Sein langjähriger Mentor Winfried Kretschmann nannte den Schritt Boris Palmers „verständlich“. Das ist eine elegante Umschreibung eines klugen Schachzugs des Tübinger Oberbürgermeisters und bekanntesten deutschen Kommunalpolitikers. Denn mit der Entscheidung, wegen des laufenden Parteiausschlussverfahrens gegen ihn nicht als offizieller Grünen-Kandidat bei der OB-Wahl im Herbst anzutreten, rettet Palmer womöglich seine politische Zukunft.

Zwar hat Palmer es noch offengelassen, ob er sich als unabhängiger Kandidat mit Grünen-Parteibuch um eine weitere Amtszeit bewirbt. Sich in seiner eigenen Partei einer Urwahl zu stellen hätte jedoch das Risiko bedeutet, gegen eine weithin unbekannte Parteifreundin durchzufallen. Mit seinen Äußerungen zu Migration oder Corona-Maßnahmen hat Palmer über Jahre vor allem den linken Parteiflügel bis zur Weißglut provoziert.

Wie töricht es dennoch wäre, auf eine politische Begabung wie Palmer zu verzichten, der weit über das grüne Kernmilieu auch konservative Wähler anspricht, haben jüngst 500 Grüne, darunter bekannte frühere Parteigrößen, mehr als deutlich gemacht. Wenn Palmer antreten sollte, stehen seine Chancen gut, angesichts einer respektablen Bilanz als Stadtoberhaupt wiedergewählt zu werden. Einen Wahlsieger, der die Bürger überzeugt, dann aus der Partei zu werfen, wäre mehr als eine Blamage: ein Debakel für die grüne Parteispitze.

Quelle: F.A.Z.
Thomas Holl
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