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Prozess wegen Volksverhetzung

Umstrittener Pfarrer weist Anklage als „politisch“ zurück

Von Reinhard Bingener, Hannover
20.11.2020
, 16:16
Der Bremer Pfarrer Olaf Latzel vor dem Prozessbeginn am 20. November im Gerichtssaal Bild: dpa
In Bremen hat der Prozess gegen Olaf Latzel begonnen. Der Pfarrer hatte die Homosexuellenbewegung „teuflisch und satanisch“ genannt. Sein Verteidiger sagt, die Rede sollte nicht veröffentlicht werden. Latzel provoziert immer wieder.
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In Bremen ist am Freitag der Prozess gegen den Pfarrer Olaf Latzel eröffnet worden. Die Staatsanwaltschaft Bremen wirft dem Kirchenbeamten der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK) Volksverhetzung vor, weil er sich auf einem Eheseminar am 19. Oktober 2019 polemisch zur Homosexuellenbewegung geäußert hat. Die damalige Rede Latzels war später über längere Zeit im Internet aufrufbar. Der 53 Jahre alte Theologe tätigte darin Äußerungen wie: „Überall laufen die Verbrecher rum vom Christopher Street Day“ oder „Der ganze Genderdreck ist ein Angriff auf Gottes Schöpfungsordnung, ist teuflisch und satanisch“.

Die Staatsanwaltschaft hielt Latzel zu Prozessbeginn vor, er habe mit seinen Äußerungen den Hass angestachelt. Der Anwalt Latzels sprach hingegen von einem „politischen Verfahren“ und warf der Staatsanwaltschaft falsche Behauptungen vor. Latzel habe die Audio-Datei nicht selbst ins Internet gestellt; die Rede sei auch gar nicht zur Veröffentlichung bestimmt gewesen. Bei dem Eheseminar hatte Latzel den rund dreißig Paaren gesagt: „Das bleibt alles hier und wird nicht rausgehauen über den Äther.“

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Buddhisten und Muslime beleidigt

Der Verteidiger äußerte zudem, Latzel habe homosexuelle Menschen nicht generalisierend als Verbrecher bezeichnet. Bereits im April diesen Jahres hatte Latzel gesagt, der Begriff „Verbrecher“ habe sich nicht auf „homosexuell lebende Menschen“ bezogen, sondern auf „militante Aggressoren“, welche seine Kirchengemeinde immer wieder kritisiert hätten.

Die Verkündigung Latzels hatte in der Vergangenheit schon mehrfach zu Kontroversen geführt. 2015 hatte Latzel in einer Predigt Buddha als „dicken, fetten Herren“ bezeichnet und das islamische Zuckerfest als „Blödsinn“.

Seine Kirchengemeinde, die traditionsreiche St. Martini-Gemeinde direkt an der Weser, steht weiter hinter Latzel. Die Martini-Gemeinde nimmt in der mehrheitlich linksliberal ausgerichteten Bremischen Kirche eine besondere Position ein und galt bereits vor Latzel als ausgesprochen konservativ. Mit Latzel wurde dieser Kurs noch einmal verschärft und es hielt ein polemischer, bisweilen vulgärer Sprachstil Einzug. Latzel verweigerte auch einer Pastorin die Kanzel der Gemeinde, weil sie eine Frau ist. Latzel ist auch bundesweit mit rechtsgerichteten Protestanten und Evangelikalen vernetzt.

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Die Bremische Landeskirche hat gegen Latzel aufgrund seiner Äußerungen über Homosexualität ein Disziplinarverfahren eingeleitet, das bis zum Ende des weltlichen Strafverfahrens ruht. Für den Prozess vor dem Amtsgericht sind drei Verhandlungstage angesetzt. Der Prozess findet wegen des öffentlichen Interesses und der Corona-Bestimmungen nicht im Gerichtsgebäude, sondern im Konzerthaus „Die Glocke“ statt.

Quelle: FAZ.NET
Reinhard Bingener
Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.
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