Chemnitz

Bundespolizei und Sachsen dementieren schwere Panne bei Großeinsatz

01.09.2018
, 17:05
Ein Hilferuf der Polizeidirektion Chemnitz nach Verstärkung lief ins Leere, schreibt die „Welt am Sonntag“. Das sächsische Inneministerium und die Bundespolizei weisen den Vorwurf zurück.

Das sächsische Innenministerium und die Bundespolizei sind einem Bericht der „Welt am Sonntag“ entgegengetreten, nach dem bei den Ausschreitungen am vergangenen Montag in Chemnitz eine schwere Panne bei der Polizei zur Unterbesetzung geführt haben soll. Der MDR zitierte am Samstag einen Sprecher des Ministeriums in Dresden. Ihm zufolge habe das Lagezentrum des Ministeriums darauf verzichtet, beim Bundespolizeipräsidium in Potsdam weitere Kräfte anzufordern, da diese erst kurz vor Mitternacht hätten vor Ort sein können.

Die Polizeidirektion Chemnitz hatte dem Lagezentrum in Dresden gegen 20.15 Uhr zunächst einen „Hilferuf“ per Telefon übermittelt. Das zuständige Lagezentrum habe danach „unmittelbar“ bei der nächstgelegenen Bundespolizeiinspektion Pirna um Unterstützung gebeten. Das Hilfeersuchen sei dort acht Minuten später auch dokumentiert worden. Ihm habe man allerdings kurzfristig nicht nachkommen können. Laut MDR bestätigte die Inspektion in Pirna den Gesuch. Sie begründete den negativen Bescheid damit, dass dass sämtliche Kräfte der Inspektion sich bereit im Einsatz befunden hätten.

Die „Welt am Sonntag“ hatte berichtet, dass es danach zu einem folgenschweren Fehler im Ablauf gekommen sei, weil das Dresdner Innenministerium die Anfrage an die untergeordnete Einsatzzentrale in Pirna geschickt habe statt an das Bundespolizeipräsidium in Potsdam. Laut Darstellung aus Potsdam und Dresden sah man Kräfte aus Postdam indes wegen der längeren Anmarschzeit schlicht für nicht hilfreich an.

Am Montagabend standen 6000 Demonstranten aus dem eher rechten Spektrum, darunter gewaltbereite Neonazis und Hooligans, etwa 1500 Gegendemonstranten gegenüber – dazwischen knapp 600 Polizisten. Es gab mindestens 20 Verletzte, unter ihnen zwei Polizisten. Die Bundespolizei war laut Informationen der „Welt am Sonntag“ am Ende mit 58 Polizisten vor Ort. Hinzu kamen 591 Polizisten aus Sachsen.

Quelle: lohe./dpa
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