Vakzin aus Amerika

Der EU drohen neue Impfstoffausfälle

Von Werner Mussler, Brüssel
09.03.2021
, 16:59
Johnson & Johnson soll auch an die EU liefern.
Am Donnerstag soll das Vakzin von Johnson & Johnson als viertes in der EU genehmigt werden. Doch jetzt deuten sich auch bei dem amerikanischen Unternehmen Produktionsschwierigkeiten an.
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Die EU könnte auch im zweiten Quartal dieses Jahres weniger Corona-Impfstoff geliefert bekommen als eingeplant. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters hat auch der amerikanische Hersteller Johnson & Johnson (J&J) in Gesprächen mit der EU-Kommission Produktionsschwierigkeiten angemeldet. Demnach sei nicht sichergestellt, dass das Unternehmen wie geplant 55 Millionen Dosen seines Vakzins im zweiten Quartal in die EU liefern könne, zitiert Reuters einen EU-Beamten. Das Unternehmen stehe wegen Problemen bei der Versorgung mit Impfstoff-Inhaltsstoffen und Ausrüstung „unter Stress“. Der Konzern wolle noch nicht ausschließen, dass das Ziel erreicht werden könne. J&J sei aber vorsichtig.

Die Zulassung des J&J-Impfstoffs wird für diesen Donnerstag erwartet. Die EU setzt große Hoffnungen in das Vakzin, weil es anders als die bereits zugelassenen Impfstoffe von Biontech, Moderna und Astra-Zeneca nicht zweimal, sondern nur einmal verimpft werden muss.

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J&J will Jahresmenge einhalten

Sollten sich die Schwierigkeiten von J&J bestätigen, gerieten die Impfpläne der EU-Kommission womöglich abermals ins Rutschen. Zuletzt hatte die EU-Behörde den Hersteller Astra-Zeneca an den Pranger gestellt, weil dieser bisher nur rund ein Zehntel des vertraglich maximal vereinbarten Lieferumfangs in die EU ausgeliefert hat. Deshalb stuft die Kommission auch die fürs zweite Quartal geplanten Astra-Zeneca-Lieferungen von knapp 200 Millionen Dosen als unsicher ein. Insgesamt kalkulierte Kommissionschefin Ursula von der Leyen fürs zweite Quartal zuletzt mit 300 Millionen Dosen. Das begründete sie ausdrücklich damit, dass die Zulassung weiterer Impfstoffe bevorstehe.

Bisher liefen die EU-Planungen darauf hinaus, dass J&J bald nach der Zulassung – also früh im zweiten Quartal – mit der Lieferung in die EU beginnen könnte. Der Impfstoff wird in den Niederlanden und Belgien produziert, sollte aber teilweise in den Vereinigten Staaten abgefüllt werden. Offen ist, ob die EU vor diesem Hintergrund abermals versucht ist, ein Exportverbot zu erlassen, wie es Italien kürzlich für Astra-Zeneca-Impfstoff verhängt hat, der nach Australien exportiert werden sollte. Von der Leyen hatte am Montag angedeutet, die halte das für ein sinnvolles Instrument, um die Impfstoffversorgung in der EU sicherzustellen.

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Die Kommission wollte den Reuters-Bericht nicht kommentieren. Aus dem Unternehmen hieß es, man werde mit der Lieferung im zweiten Quartal beginnen. Die fürs Gesamtjahr vereinbarte Liefermenge von 200 Millionen Dosen werde eingehalten.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Mussler, Werner (wmu.)
Werner Mussler
Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.
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