Mode-Blogger „Joe“

Wie Laschets Sohn einen Deal mit Schutzmasken ermöglichte

Von Reiner Burger, Düsseldorf
01.12.2020
, 10:47
In Nordrhein-Westfalen weckt ein öffentlicher Auftrag für die Herstellung von Corona-Masken den Argwohn der Opposition – denn vermittelt wurde er von Johannes Laschet, dem Sohn des Ministerpräsidenten.

Ein erst vor wenigen Tagen bekannt gewordener ungewöhnlicher Kontakt zwischen dem Mönchengladbacher Mode-Hersteller van Laack und der nordrhein-westfälischen Staatskanzlei hat den Argwohn der Opposition hervorgerufen. In einem Interview mit der Zeitung „Rheinische Post“ hatte van Laack-Inhaber Christian von Daniels nebenbei auch darüber berichtet, dass der Sohn von Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), Mode-Blogger Johannes „Joe“ Laschet, die Tür für einen großen Deal mit Kitteln und Schutzmasken für sein Unternehmen geöffnet habe.

Van Laack arbeitet seit Jahren mit dem Blogger zusammen; Joe Laschet präsentiert auf Instagram regelmäßig auch Kleidung des Unternehmens. „Ich habe Joe gesagt, dass er seinem Vater meine Nummer geben kann, wenn das Land Hilfe bei der Beschaffung von Masken braucht.“ Der Ministerpräsident habe dann tatsächlich an einem Sonntagabend angerufen und gesagt, der van Laack-Chef renne offene Türen ein. „Zwei Tage später saßen seine Mitarbeiter bei uns im Konferenzraum und haben sich unsere Masken und Kittel angeguckt.“

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Wie aus einer Veröffentlichung im EU-Amtsblatt hervorgeht, hatte ein erster Auftrag des Landes NRW dann ein Volumen von 38,5 Millionen Euro. Die Vergabe an van Laack fand ohne vorige Ausschreibung statt. Im Amtsblatt wird das mit einer rechtlichen Ausnahme für unvorhersehbare Ereignisse begründet. Konkret wird auf einen Runderlass vom 27. März 2020 („Anwendung des Vergaberechts im Zusammenhang mit der Beschaffung von Leistungen zur Eindämmung der Ausbreitung des Neuartigen Coronavirus Sars-Cov-2“) verwiesen.

Ein Sprecher der Landesregierung sagte: „Auf dem Höhepunkt des Infektionsgeschehens in der ersten Welle im März gab es auf dem Weltmarkt nahezu keine Schutzkleidung und -masken.“ Diese seien zur Ausstattung von medizinischem Personal aber dringend benötigt gewesen. „Die Landesregierung hat in dieser Zeit Kontakt zu Unternehmen aus ganz Deutschland gesucht, um hier schnellstmöglich Abhilfe zu schaffen.“ Hinweise „zu möglichen Produktionsmöglichkeiten für Schutzmasken oder entsprechende Angebote kamen aus vielen Teilen der Bevölkerung. Jedem dieser Hinweise sei man nachgegangen: „Zum Teil persönlich durch den Ministerpräsidenten und weitere Mitglieder der Landesregierung.“ Ziel sei es gewesen, „nordrhein-westfälische Unternehmen auf die Fertigung von hochwertigen Schutzmaterialien umzustellen. So auch im Fall des Textilunternehmens ‚van Laack‘.“

Ein lohnendes Geschäft

Das Unternehmen war kurzfristig in der Lage, außer Hemden auch Masken und Kittel zu produzieren. Im Fall der Firma van Laack seien die Angebote unmittelbar nach dem Erstkontakt zur Prüfung an eine dafür eingerichtete zentrale Stelle im Gesundheitsministerium weitergereicht worden. Diese habe auch die Auswahl getroffen. Das deckt sich mit dem Angaben im europäischen Amtsblatt. Dort heißt es, dass das „Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW“ als Auftraggeber die Bestellung verantwortete.

Die SPD-Fraktion im Landtag wittert gleichwohl „Influencer-Marketing in der Staatskanzlei“ und hat der Landesregierung in einer kleinen Anfrage diverse Fragen vorgelegt. Unter anderem will die größte Oppositionspartei im Landtag wissen, welchen Einfluss die Geschäftsbeziehungen von Johannes Laschet „zum Modehersteller van Laack auf die Auftragsvergabe der Landesregierung“ gehabt haben. Zudem fordert die SPD eine Auflistung aller „van Laack“-Aufträge und die Offenlegung, welche anderen Bieter mit im Rennen waren und ob es „Provisionen für Vermittlungstätigkeiten“ gegeben habe.

Unabhängig von dem Auftrag des Landes NRW erweist sich der rasche Einstieg des Unternehmens „van Laack“ in die Maskenproduktion offenbar als großer wirtschaftlicher Erfolg. Wie Firmenchef Christian von Daniels im Interview mit der „Rheinischen Post“ sagte, hat die Produktion von Mund-Nasen-Masken seinem Unternehmen einen enormen Wachstumsschub beschert. „Im aktuellen Geschäftsjahr wird sich der Umsatz dank mehr als 100 Millionen verkaufter Masken und zwölf Millionen Kittel mindestens verdoppeln.“

Nach eigenen Angaben produziert das Unternehmen aus Mönchengladbach aktuell etwa 15 Millionen Stoffmasken im Monat, die anschließend von Griechenland bis Portugal in mehr als 30.000 Verkaufsstellen vertrieben werden. Viele andere Modehersteller hätten die Chancen verschlafen, die das Produkt Mund-Nasen-Schutz biete, sagte von Daniels. „Allein im ersten Halbjahr 2020 haben die Deutschen pro Kopf 53 Euro für Masken ausgegeben, im gesamten Jahr 2019 waren es im Schnitt aber nur 26,50 Euro für Hemden. Damit will ich sagen: Die Maske ist als Produkt total unterschätzt worden in der Branche.“

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Burger, Reiner
Reiner Burger
Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.
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