Lange Leitung

Noch immer Wartezeiten bei Impf-Hotlines

Von Lorenz Hemicker
04.03.2021
, 20:37
Zahlreiche Anrufe bleiben für viele Deutsche offenbar die Regel. Nur einzelne Bundesländer berichten von Fortschritten. Dem Bundesgesundheitsministerium fehlt der Überblick.

Bei der Überlastung von Impf-Hotlines zeichnet sich bislang keine durchgängige Besserung in Deutschland ab. Das geht aus einer Umfrage der F.A.Z. in mehreren Bundesländern hervor. Die Verwaltung in Bremen berichtet demnach von überschaubaren Wartezeiten. Zwischen Ende Januar und Ende Februar seien von 34.000 Anrufern etwa 4000 in einer Warteschleife gelandet. Die durchschnittliche Wartezeit habe knapp eine Minute betragen, sagte ein Sprecher der Senatorin für Gesundheit. Dabei profitiere das Land stark von der regionalen Terminvergabe in den Ländern. Eine solche Steuerung sei bei einer bundesweiten Vergabe der Impftermine, die immer wieder gefordert wird, nicht möglich. Auch Niedersachsen gibt an, dass sich die Terminvergabe entspannt habe – inzwischen würden Anruferinnen und Anrufer nur noch wenige Minuten warten. Dazu habe – neben der Zahl von mittlerweile 450 Mitarbeitern im Call Center – die Einführung einer Warteliste gesorgt, die mehrfache Anrufe erübrige.

Auch in Rheinland-Pfalz, heißt es aus Mainz, sei die Landes-Impf-Hotline momentan gut erreichbar, „vor allem in den Randzeiten“, sagte eine Sprecherin des dortigen Gesundheitsministeriums. Die Auslastung schwanke jedoch „naturgemäß“. Sobald neue Gruppen zur Impfung zugelassen würden, nehme die Zahl der Anrufe zu. Rheinland-Pfalz liegt bei der Quote der bereits vollständig Geimpften mit 3,4 Prozent der Bewohner gegenwärtig bundesweit an der Spitze.

Hamburg setzt inzwischen darauf, die Vergabe von Impfterminen auf unterschiedliche Wochentage zu verteilen. Für Personen, die 80 Jahre und älter sind, ist dort derzeit nur noch der Donnerstag vorgesehen. Damit entfalle die Notwendigkeit, täglich bei der Hamburger Hotline anzurufen, sagte ein Sprecher der Hamburger Sozialbehörde. Für die nun immer zahlreicher werdenden Impfungen setzt man in Hamburg darauf, gezielt Untergruppen aus der zweiten Prioritätsstufe anzusprechen. Für sie gebe es teils separate Terminkontingente. Dadurch würde der Druck bei der Terminvergabe nicht weiter erhöht.

Die Statistiken der Hansestadt weisen für die vergangenen sechs Wochen zumeist durchschnittliche Wartezeiten von unter einer Minute aus. Hochbetagte müssen gleichwohl länger warten, an Donnerstagen liegt die Wartezeit bei durchschnittlich sieben bis acht Minuten. Hamburg zählt zu den wenigen Bundesländern, die mit einer Plattform der Kassenärztlichen Bundesvereinigung zur Terminvergabe zusammenarbeiten. Berichtet wird von zwischenzeitlich „erheblichen Problemen“ bei dem Verfahren, die inzwischen in Teilen behoben worden seien.

Aus einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom ging kürzlich hervor, dass es bei der Organisation der Impftermine in den meisten Bundesländern Probleme gebe. Die Mehrheit der Befragten gab an, Dutzende oder sogar Hunderte Male angerufen zu haben, bevor die Terminvergabe geglückt sei. Das Bundesgesundheitsministerium von Jens Spahn (CDU) scheint derzeit keinen Überblick über die Lage der Impf-Hotlines zu haben. Ein Sprecher sagte, er könne keine Einschätzung dazu geben, wo die Vergabe am besten laufe und wo es die größten Schwierigkeiten gebe. Beim Impfen ist der Bund für die Beschaffung des Impfstoffs zuständig und die Länder für die Organisation der Impfungen vor Ort.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Hemicker, Lorenz
Lorenz Hemicker
Redakteur in der Politik
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