Corona-Pandemie

Unvernünftige Impfverweigerer

Von Kim Björn Becker
28.10.2021
, 18:36
Eine Krankenpflegerin steht am 23. September in einem Zimmer der Corona-Intensivstation des Universitätsklinikums Essen
Während die Impfquote praktisch stagniert, landen immer mehr Corona-Patienten im Krankenhaus. Planbare Operationen könnten bald wieder verschoben werden. Die Folgen wären alles andere als trivial.
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Natürlich war es richtig, zunächst auf die Vernunft der Menschen zu setzen. Darauf zu hoffen, dass sich die Einsicht durchsetzt. Die Corona-Impfung rettet im Zweifel nicht nur das eigene Leben, sondern schützt auch die Gesundheit anderer. Doch spricht nicht mehr viel dafür, dass diese Strategie auf Dauer aufgehen wird.

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Während die Impfquote praktisch stagniert, steigen die Infektionszahlen sprunghaft an. Mit ihnen wächst der Anteil der Covid-19-Patienten, die in den Krankenhäusern behandelt werden müssen – und dort insbesondere auf den Intensivstationen. Studien zufolge erkranken fast ausschließlich Ungeimpfte so schwer an Corona, dass sie auf die Intensivstation müssen. Sie binden dort schon heute acht Prozent aller Betten. Und die Entwicklung ist so bedrohlich, dass Krankenhäuser schon wieder laut darüber nachdenken, planbare Operationen ausfallen zu lassen, weil es anders nicht geht.

An dieser Stelle wird es kritisch. Zwar klingt es zunächst harmlos, dass planbare Eingriffe wieder ausfallen könnten. Doch die Folgen sind alles andere als trivial, das war schon zu Beginn der Pandemie so. Es bedeutet, dass Ältere, die nur noch unter Schmerzen gehen können, länger auf einen Gelenkersatz warten müssen. Es heißt, dass nicht dringliche Krebsoperationen verschoben werden, was in einzelnen Fällen die Chancen auf Genesung mindern kann. Kurzum: Es trifft vor allem Kranke, die – anders als viele Corona-Patienten – ihr Leiden nicht verhindern können und gleichsam das Recht haben, gut versorgt zu werden. Wer hilft ihnen, ihr Recht gegen die Unvernunft der Impfverweigerer durchzusetzen?

Gerade hat eine Umfrage ergeben, dass die große Mehrheit der Ungeimpften es dabei belassen will. Den meisten sind die Folgen egal: Für 89 Prozent spielt es keine Rolle, ob die Intensivstationen wieder voll werden. Es ist naiv zu glauben, dass sich dieses Problem mit Geduld und gutem Zureden lösen wird. Die Impfquote muss steigen. In Gestalt der 2-G-Regel hat die Politik ein Instrument an der Hand. Sie muss sich nur trauen, es großflächig anzuwenden.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Becker, Kim Björn
Kim Björn Becker
Redakteur in der Politik.
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