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Proteste gegen Corona-Politik

Brett vor dem Kopf gehört nicht zu den Grundrechten

EIN KOMMENTAR Von Jasper von Altenbockum
Aktualisiert am 10.05.2020
 - 22:24
Auf der Canstatter Wasen
Die Freiheit, für die jetzt auf Demonstrationen gegen die Corona-Politik geworben wird, ist eine Freiheit ohne Maß, ohne Verantwortung. Diese Freiheit gehört nicht zu den Grundrechten.

Es ist durchaus nötig und ehrenwert, für Freiheit und die Grundrechte einzutreten, wenn die Gefahr besteht, dass sie über Gebühr eingeschränkt oder ganz verwehrt werden. Was sich die „Widerstandskämpfer“ am Wochenende aber im Protest gegen eine „übertriebene“ Corona-Politik geleistet haben, ist zu Markte getragene Ignoranz. Sie erinnern fatal an die „Zivilcourage“ à la Pegida.

Ohne Rücksicht auf Abstandsregeln, ohne Mundschutz, ohne Rücksicht auf Präzedenzfälle (Viren-Schleudern durch Massenansammlungen), kurz: ohne Verstand wurde in Stuttgart und anderswo für eine Freiheit geworben, die eine Freiheit ohne Maß, ohne Verantwortung, ohne Folgenabschätzung, ohne Staatsbürgerlichkeit ist. Diese Freiheit gehört aber nicht zu den Grundrechten. Sie gehört ins Grundgesetz der Primitivität.

Die Eigenverantwortung, die von den Protestierenden so gerne im Munde geführt wird, ist in Wahrheit eine Ego-Verantwortung, ein Widerspruch in sich. Eigenverantwortung hieße, in Betracht zu ziehen, dass das eigene Verhalten dazu führen könnte, andere zu infizieren – und damit in ihrer Freiheit auf dramatische Weise einzuschränken. Im Falle der Corona-Epidemie ist das umso wichtiger, weil niemand wissen kann, ob er selbst das Virus trägt.

Wer soviel Komplexität nicht erträgt, sollte drei Mal nachdenken, bevor er einen dümmlichen Spruch auf ein Pappschild schreibt, das wie ein Brett vor dem Kopf wirkt. Wirklich beunruhigend aber ist, dass die Polizei trotz aller Verstöße gegen geltende Verbote wenig dagegen tun kann. Sie kann nur hoffen, dass der gesunde Menschenverstand in der großen Mehrheit ist – und zu Hause bleibt.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Altenbockum, Jasper von (kum.)
Jasper von Altenbockum
Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.
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