FAZ plus ArtikelCDU in Mecklenburg-Vorpommern

Wo bleibt Caffiers Partei?

EIN KOMMENTAR Von Frank Pergande, Berlin
Aktualisiert am 21.11.2020
 - 12:00
Die CDU in Mecklenburg-Vorpommern ist schon jetzt auf dem Weg, die Landtagswahl im nächsten Jahr zu verlieren. Dabei gibt es noch nicht mal einen Wahltermin.

Die CDU in Mecklenburg-Vorpommern ist eine Partei der Verluste. In dieser Woche verlor sie ihren Innenminister Lorenz Caffier. Caffier war vierzehn Jahre lang Minister und ist das, was man einen Typ nennt. Ein Waffenkauf beendete seine Karriere, die ohnehin auf der Schlussgeraden war. Dem Waffenverkäufer werden Verbindungen zu einem rechtsextremen Netzwerk nachgesagt. Als Caffier vor zwei Jahren bei ihm kaufte, galt der Mann noch als verlässlicher Partner für die Schießausbildung der Polizei. Caffier glaubte, er könne die Geschichte an sich abprallen lassen; jetzt geht er, nachdem ihm indirekt Nähe zum Rechtsextremismus unterstellt wurde. Ein unglaublicher Vorgang. Verteidigt hat ihn wenigstens ein früherer Ministerkollege, Mathias Brodkorb – SPD.

Wo aber bleibt Caffiers Partei? Wie kann sie einfach zuschauen, dass ihr eben noch wichtigster Mann in ehrverletzender Weise heruntergemacht wird? Mag sein, es blieb durch die Umstände nur der Rücktritt, aber wenigstens kämpfen hätte man doch mal können. Stattdessen Schulterzucken. Und so war es schon zweimal in diesem Jahr. Im Januar verabschiedete sich Vincent Kokert Knall auf Fall aus der Politik, immerhin der Partei- und Fraktionsvorsitzende, die große Hoffnung der Partei. Was war? Ist passiert, wählen wir eben einen neuen.

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Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Pergande, Frank
Frank Pergande
Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.
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