Angriffe gegen Juden

Mehr antisemitische Vorfälle im Jahr 2021

28.06.2022
, 12:04
Im Mai hatte das Bundeskriminalamt einen starken Anstieg antisemitischer Straftaten für 2021 um 29 Prozent bekanntgegeben.
2021 wurden in Deutschland über 2700 antisemitische Vorfälle erfasst – deutlich mehr als 2020. Vor allem die Proteste gegen die Corona-Maßnahmen mit ihren Juden-Vergleichen prägten das Bild.
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Verletzendes Verhalten, Bedrohungen, Angriffe, Gewalt: Für das vergangene Jahr hat der Bundesverband der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (Rias) 2738 judenfeindliche Vorfälle in Deutschland erfasst. Damit stieg die Zahl im Vergleich zu 2020, als die einzelnen Rias-Meldestellen bundesweit 1957 Ereignisse registriert hatten. Die Experten rechnen außerdem mit einer hohen Dunkelziffer. Das geht aus dem Jahresbericht des Rias-Bundesverbandes hervor, der am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Demnach ist der Anstieg zum Teil auf eine veränderte Datengrundlage zurückzuführen.

Der Bundesverband betonte bei der Vorstellung, dass die Zahl der registrierten Vorfälle, die nicht in jedem Fall strafbar sind, statistisch nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung sei: „Ziel des vorliegenden Berichts ist es vielmehr, die alltägliche Dimension von Antisemitismus in Deutschland zu verdeutlichen.“ Im Mai hatte das Bundeskriminalamt einen starken Anstieg antisemitischer Straftaten für 2021 um 29 Prozent auf den Höchststand von 3027 Delikten bekanntgegeben.

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Laut dem Rias-Bericht prägten das Gesamtbild vor allem die Proteste gegen staatliche Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Diese Proteste seien besonders für Anhänger des verschwörungsideologischen Spektrums „vielfach ein Anlass für antisemitische Äußerungen oder Handlungen“ gewesen. Hinzu sei der Nahostkonflikt von Mai 2021 gekommen, der auch zu judenfeindlichen Beleidigungen oder Bedrohungen sowie Angriffen geführt habe. Auch rund um Gedenktage sei wieder eine Vielzahl an Vorfällen registriert worden.

Meiste Fälle von extremer Gewalt ereigneten sich 2021

Antisemitismus äußerte sich laut Bericht „häufig niedrigschwellig, mitunter aber auch extrem gewaltförmig“. Demnach dokumentierten die Meldestellen sechs Fälle extremer Gewalt. Fast die Hälfte aller 13 seit 2017 bekannt gewordenen Fälle von extremer Gewalt hätten sich 2021 ereignet. Abseits davon würden Juden in Deutschland „in ganz alltäglichen Situationen mit verletzenden antisemitischen Bemerkungen konfrontiert“.

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Am häufigsten erfassten die Meldestellen laut Bericht verletzendes Verhalten mit 2182 Vorfällen. Darüber hinaus gab es demnach 101 Bedrohungen, 204 gezielte Sachbeschädigungen, 182 Massenzuschriften und 63 Angriffe. Von den betroffenen Institutionen seien es am häufigsten jüdische und israelische (521 Fälle) gewesen. Dieses Bild ergebe sich auch bei den betroffenen Einzelpersonen mit 518 Fällen. Allerdings seien auch Nichtjuden und nichtjüdische Einrichtungen zur Zielscheibe geworden.

Die häufigsten Tatorte waren dem Bericht zufolge abermals das Internet und die Straße. Was den politisch-weltanschaulichen Hintergrund von Vorfällen angeht, stiegen der antiisraelische Aktivismus auf neun Prozent (2020 waren es vier Prozent) und das verschwörungsideologische Milieu auf 16 Prozent (13 Prozent in 2020). Gesunken sei der Anteil von des Bereichs rechtsextrem/rechtspopulistisch auf 17 Prozent (25 Prozent in 2020). In vielen Fällen ist der Hintergrund laut Bericht jedoch unbekannt.

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Der Jahresbericht beruht auf Meldungen von Betroffenen oder Zeugen beziehungsweise Organisationen an den Bundesverband von Rias oder an Meldestellen, die es in einigen Bundesländern gibt. Der Bericht berücksichtigt erstmals Daten dreier neuer Meldestellen. „Es ist davon auszugehen, dass aufgrund der Arbeit dieser Meldestellen mehr Vorfälle aus den jeweiligen Regionen bekannt wurden“, heißt es. In den Bericht für 2020 seien Daten aus vier regionalen Meldestellen eingeflossen, jetzt seien es bereits acht gewesen.

Quelle: KNA
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