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Dreißig Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer hält eine deutliche Mehrheit der Deutschen atomare Abschreckung wieder für unerlässlich. Das geht aus der jüngsten Studie von Kantar Public im Auftrag der Körber-Stiftung hervor, die an diesem Dienstag in Berlin vorgestellt wird. Demnach befürworten mehr als zwei Drittel der Bürger den nuklearen Schutz des eigenen Landes. Wie der gewährleistet werden soll, darüber gehen die Ansichten auseinander.
Die klassische und nach wie vor tragende Variante – der amerikanische Nuklearschirm – ist nur noch für 22 Prozent der Befragten wünschenswert. Favorisiert wird stattdessen eine europäische Variante, mit Frankreich und Großbritannien als Garanten. 40 Prozent wünschen sich, dass Berlin sich in erster Linie um den nuklearen Schutz durch diese beiden Staaten bemüht, die zwar über Atomwaffen verfügen, allerdings deutlich weniger als die Vereinigten Staaten. Für die Idee, dass Deutschland sich selbst schützt und eigene Nuklearwaffen entwickelt, spricht sich nur eine kleine Minderheit aus. Sieben Prozent würden einen solchen Schritt begrüßen.
Die Forderung nach einem europäischen Nuklearschirm passt ins außenpolitische Stimmungsbild der Deutschen. Die Vereinigten Staaten haben in den Augen vieler Menschen die Rolle als wichtigster Verbündeter eingebüßt, und das bereits zum dritten Mal in Folge. Auf Platz eins der wichtigsten Verbündeten rangiert für 51 Prozent der Befragten Frankreich. Amerika folgt mit 19 Prozent abgeschlagen auf Platz zwei, vor China (sieben Prozent) und Russland (vier Prozent). Das transatlantische Verhältnis zwischen Berlin und Washington bewerten knapp zwei Drittel der Befragten als schlecht. Auf der anderen Seite des Atlantik ist die Skepsis jedoch nicht so groß: 75 Prozent der befragten Amerikaner gaben an, sie hielten das Verhältnis zur Bundesrepublik für „Sehr gut“ oder „gut“. Für ein knappes Viertel der Deutschen zählen die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten unter Präsident Trump gar zu den größten Herausforderungen deutscher Außenpolitik. Ähnlich große Skepsis rufen ansonsten nur noch die Themen Flüchtlinge und Klima hervor.
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Eine große Mehrheit wertete die Lage Deutschlands während der Befragung im September dieses Jahres als „sehr sicher“ (14 Prozent) oder „eher sicher“ (62 Prozent). Weitere 18 Prozent hielten sie für „eher bedrohlich“ und nur vier Prozent für „sehr bedrohlich“. Die Verteilung ist in Deutschland dabei ziemlich gleichmäßig: In Ost und West, unter Frauen und Männern, Alten und Jungen, Städtern und Landbevölkerung sowie bei Menschen mit Migrationshintergrund und ohne. Unterschiede lassen sich am ehesten noch anhand des Wahlverhaltens ausmachen. Am sichersten fühlen sich demnach Wähler von SPD, Grünen und anderer Parteien, am Unsichersten die der AfD. Von ihnen halten 46 Prozent die Lage hierzulande für bedrohlich.
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Als zentrale Initiative der deutschen Außenpolitik wünschen sich die Deutschen nach der Umfrage, noch stärker als bisher mit wichtigen Staaten zusammenzuarbeiten. Am häufigsten gilt das für Frankreich (77 Prozent). Aber auch für Japan, Russland, Polen, Italien und China finden sich Zustimmungsraten oberhalb von 60 Prozent. Skeptischer sind die Befragten bei den Vereinigten Staaten und Großbritannien. Bei ihnen kann sich nur jeder Zweite eine engere Kooperation vorstellen. Am Schlechtesten schneidet die Türkei ab. Bei ihr wünschen sich nur 24 Prozent mehr – und zwei Drittel sogar weniger Zusammenarbeit.
Gespalten sind die Deutschen bei der immer wieder von der Bundesregierung angekündigten stärkeren Übernahme internationaler Verantwortung. 43 Prozent würden sie begrüßen, 49 Prozent plädieren dafür, sich weiterhin eher zurückzuhalten.
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Beim Thema Verteidigung halten sich Befürworter höherer Ausgaben mit Anhängern des Status Quo die Waage. Für einen schrumpfenden Wehretat sprechen sich 15 Prozent aus. Die Zahlen verschieben sich, sobald den Befragten in Aussicht gestellt wird, dass Deutschland sich von den Vereinigten Staaten unabhängiger machen will. Fachleute schätzen, dass dazu der Wehretat auf 86 Milliarden Euro verdoppelt werden müsste. Solche Bestrebungen würde eine knappe Mehrheit von 52 Prozent der Deutschen gutheißen. 41 Prozent lehnen sie ab.