FAZ plus ArtikelMauerbau im August 1961

„Niemand hat die Absicht ...“

Von Peter Sturm
Aktualisiert am 23.09.2020
 - 15:39
Am 18. August 1961 errichten Bauarbeiter unter Aufsicht bewaffneter Vopos die Mauer am Potsdamer Platz in Berlin
Für die DDR war die innerstädtische Grenze zwischen West- und Ost-Berlin ein Problem. Im August 1961 löste sie es auf ihre Weise. Teil sieben unserer Serie „Stationen – Deutschland seit 1945“.

Es gibt mindestens eine Generation von Deutschen, denen man ein wissendes Lächeln entlocken kann, wenn man im Gespräch mit ihnen einen Satz mit den Worten beginnt: „Niemand hat die Absicht ...“ Diese Wortwahl ist durch den SED-Generalsekretär Walter Ulbricht zu trauriger Berühmtheit gelangt. Gefallen ist der Satz am 15. Juni 1961 auf einer Pressekonferenz. Niemand habe die Absicht, eine Mauer zu errichten, sagte Ulbricht auf die Frage einer Journalistin, die wissen wollte, ob künftig die Staatsgrenze der DDR am Brandenburger Tor in Berlin verlaufen werde.

Es ist später ein kleiner akademischer Streit darüber entbrannt, ob man Ulbricht wegen jenes Satzes eine besonders dreiste Lüge vorwerfen kann. Zu diesem Zeitpunkt lag nämlich vermutlich die formale Zustimmung der sowjetischen Regierung zur Errichtung der Mauer in Berlin noch nicht vor. Dass Absperrmaßnahmen geplant waren, steht hingegen außer Zweifel.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Sturm, Peter
Peter Sturm
Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.
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