FAZ plus ArtikelDie Kirche und der Krieg

Gesinnung zum Frieden

EIN KOMMENTAR Von Reinhard Bingener
16.04.2022
, 19:57
Das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, Kyrill, mit Friedenstauben im April 2022 in Moskau.
Das Christentum steht seit Anbeginn vor der Frage, wie politisch seine Theologie sein soll. Doch darf sie sich nicht in einem Wohnzimmersessel­pazifismus erschöpfen, der anderen empfiehlt, Ge­walt wehrlos zu erleiden.
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Gewalt wäre eine Lösung gewesen. Seine Gefolgschaft hätte zum Schwert greifen und dafür sorgen können, dass er nicht zum Tode verurteilt und nicht wie ein gemeiner Verbrecher ans Kreuz geschlagen wird. Doch Jesus begründet, warum ein solcher Einsatz von Gewalt für ihn keine Option ist: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wäre mein Reich von dieser Welt, meine Diener würden darum kämpfen.“

Der Satz ist an Pontius Pilatus gerichtet, den Statthalter eines Reiches, das kaum stärker „von dieser Welt“ hätte sein können. Der Wortwechsel zwischen Jesus und Pilatus bildet eine Schlüsselstelle im Johannesevangelium. Denn er macht klar, dass es nicht nur zwischen der Passion Christi und der Anwendung von Gewalt einen Zusammenhang gibt, sondern dass sich das Christentum schon seit seinen Anfängen mit dem Problem der Politischen Theologie be­fasst hat.

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Autorenporträt / Bingener, Reinhard
Reinhard Bingener
Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.
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