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FAZ plus ArtikelKlimaforscher und Politik

Messwerte sind noch keine Mehrheiten

Von Timo Steppat, Bremerhaven/Potsdam
 - 09:08
Ein Paradies für Klimatologen: Das deutsche Forschungsschiff „Polarstern“ 2017 in der Westantarktis.

Als die Bundesregierung den Klimakompromiss präsentierte, dauerte es zwei Stunden, bis sich in Potsdam der Daumen senkte. Ein „Dokument der politischen Mutlosigkeit“ nannte Ottmar Edenhofer das Gesetzespaket. Auch andere Wissenschaftler übten Kritik. Doch wie sehr das Urteil des Merkel-Beraters und Direktors des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung gesessen hatte, zeigte sich an den Reaktionen: Noch zwei Tage später geißelte das Bundesumweltministerium Edenhofers Einlassungen als „unterirdisch“ und „völlig überzogen“. Es sei klar, dass man als Wissenschaftler „in ein Frustloch“ falle mit der Erwartungshaltung, dass die Politik eins zu eins den Expertenrat umsetze, ätzte Staatssekretär Jochen Flasbarth. Solche Forderungen könne man „vielleicht irgendwo auf einem Berg in Potsdam“ stellen, sagte Flasbarth – gemeint war der Telegrafenberg, auf dem Edenhofers Institut seinen Sitz hat.

Edenhofer ärgerte sich, dass man ihm unterstellte, er und seine Kollegen fühlten sich in ihren Gefühlen verletzt. Dass man ihnen unterstellte, nicht verstanden zu haben, wie Politik und Wissenschaft kooperierten. Noch heute, zwei Monate später, wird der freundliche Niederbayer laut, wenn er darüber spricht. „Wer erwartet, dass wir Wissenschaftler nach so einem mutlosen und vor allem leider ziemlich wirkungslosen politischen Kompromiss auch noch applaudieren, der ist frech.“ Das Kanzleramt hatte dem Forscher auch auf direktem Wege signalisiert, dass man mit seiner Bewertung nicht zufrieden war. Noch im Sommer hatte die Bundeskanzlerin am Besprechungstisch in Edenhofers Büro Platz genommen, an dem er nun sitzt und über das Verhältnis zur Politik spricht. Erst unterhielten sie sich eine Stunde lang, die Physikerin und der Klimaökonom, dann ging es in einen Besprechungsraum, in dem Merkel die zentralen Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen der Wissenschaftler vorgestellt wurden. Eineinhalb Stunden dauerte das. Die Kanzlerin soll viele Fragen gestellt haben.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Steppat, Timo
Timo Steppat
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