Einwanderungsgesetz

Einwanderung ohne Illusionen

EIN KOMMENTAR Von Berthold Kohler
09.01.2015
, 15:05
Ein eigenes Einwanderungsgesetz wäre ein Zeichen dafür, dass die deutschen Parteien nach Jahren des Bestreitens und des Wegschauens in der Wirklichkeit angekommen sind.
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Es stimmt, was Seehofer und de Maizière sagen: Deutschland hat schon eine Menge von Bestimmungen, die den Zuzug von Ausländern und ihren Aufenthalt regeln. Es mangelt an anderer wichtiger Stelle: am Vertrauen der Einheimischen, dass dieses Instrumentarium im Interesse des Landes genutzt wird. Ein eigenes Einwanderungsgesetz wäre ein Zeichen dafür, dass die deutschen Parteien nach Jahren des Bestreitens („kein Einwanderungsland“), der Verherrlichung des Multikulturalismus’ und des Wegschauens in der Wirklichkeit angekommen sind.

Die aufgeheizte Debatte über Islam und Islamisierung wird nämlich nicht zuletzt von den Alltagserfahrungen vieler Menschen angetrieben, die nicht mit den (allerdings schon verblassenden) Traumbildern von einem wunderbar multikulturell gestalteten Deutschland übereinstimmen. Und von der weitverbreiteten Meinung, man dürfe „die Wahrheit“ darüber nicht sagen. Das verschafft Pegida Zulauf und Sympathie. Es gibt viel, was die „Altparteien“ dagegen tun könnten. Ein Einwanderungsgesetz, das keinen Illusionen aufsitzt, gehört dazu.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Kohler, Berthold
Berthold Kohler
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