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Merz beim „Forum Mittelstand“

„Die Union ist ähnlich gefährdet wie die SPD“

Von Julia Löhr, Berlin
 - 20:49
„Ein Herz für Merz“: Friedrich Merz erfährt bei seinem Auftritt im Berliner Ballsaal deutlichen Zuspruch.

Schon eine Stunde, bevor Friedrich Merz kommt, ist die Schlange vor dem Berliner Ballhaus lang. Es ist ein anderes Publikum, als sich sonst vor dem rötlich schimmernden Backsteinbau in Mitte versammelt, um zu tanzen. Männlicher, älter. Ein junge Frau, die aus dem Nachbarhaus kommt, fragt erstaunt: „Auf wen wartet ihr?“ „Auf Friedrich Merz.“ Kurze Pause. „Der von der CDU?“ „Ja.“ „Ihr habt se nich mehr alle.“

Das Forum Mittelstand hat Merz zu einem Vortrag eingeladen. Drei Tage nach dem angekündigten Rückzug Annegret Kramp-Karrenbauers vom Parteivorsitz der CDU ist der Spiegelsaal mit dem opulenten Kronleuchter bis auf den letzten Platz gefüllt. Es sind viele CDU- und FDP-Anhänger gekommen, einige greifen sofort zu den bereitliegenden „Ein Herz für Merz“-Schildern und schießen Fotos. Als Merz schließlich auf die Bühne kommt, ist der Jubel groß.

„Der 10. Februar war ein Tag des Sturms“, beginnt Merz mit Verweis auf den Orkan Sabine, der Anfang der Woche passend zu den politischen Ereignissen Deutschland durchwirbelte. „Es ist übrigens reiner Zufall, dass Tiefs derzeit Frauennamen haben“, sagt Merz dann noch spitzbübisch und bekommt das erwartete Gelächter. Anschließend geht es um Thüringen und Merz klopft noch einmal auf die viel zitierte Brandmauer in Richtung der AfD: „Es gibt für die Union keine Zusammenarbeit mit diesen Leuten.“ Diese Leute, die seien überhaupt der Grund, warum er sich politisch wieder engagiere, statt sich altersgemäß – „Aktion Abendsonne“ – zur Ruhe zu setzen. „Dieses Gesindel“, das den Holocaust relativere, müsse verschwinden.

Merz stichelt gegen Greta Thunberg

Die Zeit unter Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnet Merz als gute Jahre. „Ein Stück weit Vorbild“ sei Merkel für ihn, auch, weil sie so uneitel sei. „Wir leben in einem der schönsten, wohlhabendsten, sozialsten Länder der Welt, darum beneiden uns Milliarden Menschen.“ In Richtung Greta Thunberg sagt er: „Sie fühlt sich um ihre Jugend betrogen? Mädchen, eine bessere Jugend als du hatte noch niemand.“ Jubel im Saal. Deshalb sei auch kein Bruch mit der Vergangenheit nötig, wohl aber ein Aufbruch in eine neue Zeit.

Merz gibt sich im Ballhaus weltmännisch. Er doziert über Trump – ein „Dealmaker“, wird noch lange bleiben –, über das Selbstbewusstsein Chinas, über die sinkende Bedeutung der G7, der WTO, der Nato, die kritische Lage im Nahen Osten und so weiter. Merz bemüht sich sichtlich, einen möglichst großen Bogen zu spannen, möglichst weit weg von Berlin.

Merz lächelt die K-Frage weg

Nach einer Weile aber kommt er dann doch noch auf die CDU zu sprechen. Bis vor den Sommerferien müsse eine Entscheidung fallen, personell, aber auch thematisch. „Ich rate uns dringend, nicht eine Kopie der Grünen zu werden.“ Die Union müsse wieder ein eigenes Profil entwickeln, „als letzte Volkspartei Deutschlands“. Einer der Punkte, die ihm dabei wichtig sind: Migranten besser integrieren. Und auf Regeln pochen: „In unserer Gesellschaft zeigt man sein Gesicht.“ Wieder Jubel.

Ob er für den Parteivorsitz kandidieren will, ob er Kanzlerkandidat werden will, auf diese Fragen vermeidet Merz auch am Donnerstag eine klare Antwort, er lächelt nur vieldeutend – und erinnert an den Ernst der Lage. „Die Union ist einer ähnlichen Gefährdungslage wie die SPD“, sagt er. „Die Union hat nicht mehr viele Würfe frei, womöglich nur noch einen. Und der muss sitzen.“ Später sagt er noch: „Viel zu verlieren haben wir nicht mehr.“

Bei allem Jubel im Saal gibt es aber auch nachdenkliche Stimmen. Solche, die nicht Merz als Kanzlerkandidat sehen wollen, weil er neben vielen Fans auch viele Gegner hat. Die ihn lieber in seiner alten Rolle als Fraktionsvorsitzenden sehen wollen und den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet als Kandidat für das Kanzleramt. Auch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) wird gelobt. Vielleicht noch ein bisschen „jungsch“ sei der, aber ein Arbeitstier. „Der größte Coup wäre es doch, wenn Merkel nochmal den Vorsitz übernimmt“, murmelt eine Frau im Publikum leise. Aber dann brandet schon wieder der nächste Jubel für Merz auf.

Anm. der Redaktion: In einer ersten Fassung des Textes hieß es, Friedrich Merz habe in Bezug auf die AfD davon gesprochen, dass diese den Holocaust leugne. Tatsächlich sprach Merz aber davon, dass diese den Holocoaust relativiere. Wir haben die entsprechende Stelle korrigiert.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Löhr, Julia
Julia Löhr
Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.
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