Kampfkandidatur?

Merz will offenbar für Bundestag kandidieren

Von Eckart Lohse, Berlin
02.03.2021
, 12:23
Im Sauerland wird Friedrich Merz von einigen Parteifreunden zu einer Kandidatur für den Bundestag ermutigt. Merz fühle sich geehrt und freue sich, sagt sein Sprecher. Doch nicht alle sind begeistert.

Der im Januar im Kampf um den CDU-Vorsitz unterlegene Friedrich Merz will offenbar für den Bundestag kandidieren. Merz sagte der Zeitung „Westfalenpost“, dass er von mehreren Stadtverbandsvorsitzenden im Sauerland gefragt worden sei, ob er sich vorstellen könne zu kandidieren. „Ich bin nicht abgeneigt“, sagte Merz einer Mitteilung der Zeitung zufolge.

Merz‘ Sprecher bestätigte das. Merz fühle sich geehrt und freue sich. „Die Details müssen jetzt aber zunächst intern diskutiert werden, deshalb möchte sich Herr Merz derzeit nicht weiter äußern“, teilte der Sprecher mit. Die endgültige Entscheidung, wer CDU-Kandidat des Hochsauerlandkreises, der Heimat von Merz, wird, fällt im April auf einem Kreisparteitag.

Allerdings kommen bereits am Montagabend die Stadtverbände Sundern und Arnsberg zusammen. Sobald ein Stadtverband einen Bewerber vorschlägt, gehört dieser zu den Kandidaten, über die auf dem Kreisparteitag abgestimmt wird. Die Angelegenheit löst in der nordrhein-westfälischen CDU Unruhe aus, weil der bisherige Bundestagsabgeordnete des Hochsauerlandkreises, Patrick Sensburg, wieder antreten will.

Sensburg wäre Gegenkandidat

Sensburg sagte dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“, dass er seine abermalige Kandidatur bereits im Januar erklärt habe. „Da war Friedrich Merz noch in ganz anderen Gedanken“, äußerte er in Anspielung auf Merz' Vorsitz-Ambitionen. „Ich halte aber an meiner Kandidatur fest – und Friedrich Merz hat ja überall Chancen“, fügte Sensburg hinzu. Das könnte auf den Nachbarwahlkreis Olpe/Märkischer Kreis I zielen, da sich der dortige CDU-Bundestagsabgeordnete Matthias Heider nicht wieder um ein Mandat bewirbt.

Merz hatte bislang den Eindruck erweckt, er werde Sensburg den Wahlkreis nicht streitig machen wollen. Zwar sagte Merz am Wochenende, er wolle „keine offene Feldschlacht“ um dem Wahlkreis führen. Sensburg, der auch Präsident des Bundeswehr-Reservistenverbandes ist, sagte allerdings, er stelle sich auch einer Kampfabstimmung.

Damit jedoch nicht genug. Zudem hat auch noch ein weiterer Kandidat sein Interesse in einem Bewerbungsbrief (liegt der F.A.Z. vor) angekündigt: Bernd Schulte. Er ist Mitglied des nordrhein-westfälischen CDU-Landesvorstands, vor allem aber arbeitet er seit zwei Jahren in der Staatskanzlei von Ministerpräsident Armin Laschet, gegen den Merz im Ringen um den CDU-Vorsitz unterlegen war.

Der Vorsitzende der sich als konservativ bezeichnenden Werte-Union, Alexander Mitsch, befürwortete ausdrücklich eine Kandidatur von Merz. „Er verkörpert einige wirtschaftsliberale und konservative Positionen, die unter Frau Merkel aufgegeben wurden, ohne die die Union aber weiteres Vertrauen verlieren wird“, sagte Mitsch der Nachrichtenagentur AFP. „Für viele enttäuschte Bürger ist Herr Merz derzeit noch die letzte Hoffnung auf eine nicht linke CDU und klare Kante gegen grün-rote Bevormundung.“

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Lohse, Eckart
Eckart Lohse
Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.
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