Früherer Linken-Chef

Gregor Gysi will’s nochmal wissen

Von Markus Wehner, Berlin
04.05.2020
, 17:59
Fast nie langweilig: Gregor Gysi
Gregor Gysi hatte schon immer einen großen Unterhaltungswert. Dann verschwand er von der großen Politikbühne. Jetzt geht der Linken-Politiker einen ungewöhnlichen Schritt.
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Es ist ein kleines Comeback: An diesem Dienstag wird Gregor Gysi von der Linken-Fraktion im Bundestag zum außenpolitischen Sprecher gewählt. Das ist für einen früheren Fraktions- und Parteichef eher ungewöhnlich. Doch der 72 Jahre alte Politiker, zuletzt mehr als Buchautor und Redner außerhalb des Parlaments unterwegs, ist schon vor einigen Wochen der Bitte der Fraktionsvorsitzenden Dietmar Bartsch und Amira Mohamed Ali gefolgt, das Amt zu übernehmen. Ursprünglich hatte die Idee der Parlamentarische Geschäftsführer Jan Korte.

Frei wurde das Amt, weil der bisherige Sprecher, der Berliner Abgeordnete Stefan Liebich, sich nach dem Ende der Legislaturperiode aus dem Bundestag zurückziehen wird. Er erklärte deshalb frühzeitig seinen Verzicht. Liebich ist ein Reformer, der regelmäßig gegen die Dogmen linker Außenpolitik verstieß. Das galt etwa für die absolute Ablehnung jeglicher Auslandseinsätze, die kritiklose Betrachtung der Putin-Herrschaft in Russland oder die Lobpreisungen autoritärer sozialistischer Regimes wie in Venezuela oder Kuba. Damit war er eine Ausnahme im Arbeitskreis Außenpolitik der Fraktion.

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Dort sind nämlich nur Politiker vom äußersten linken Flügel tätig – etwa Sevim Dagdelen oder Heike Hänsel. Mit der Aufstellung von Gysi, gegen den sich keine Gegenkandidatur regen konnte, hat Fraktionschef Bartsch verhindert, dass ein Hardliner die Außenpolitik in herausgehobener Position vertritt. Gysi, Vaterfigur der Ost-Reformer in der Partei, interessiert sich zudem schon lange für Außenpolitik und ist für eine eher unideologische Herangehensweise bekannt. Seine Kandidatur gilt auch als Signal für ein Bündnis mit Grünen und SPD, sollte eine solche Mehrheit vor der nächsten Bundestagswahl möglich werden. Für ein solches Mitregieren hat sich Gysi immer stark gemacht.

Von Liebich hat Gysi die Vollmitgliedschaft im Auswärtigen Ausschuss schon übernommen, zuvor war er stellvertretendes Mitglied. Als Redner mit hohem Unterhaltungswert war der Terminkalender des Politikers schon bisher voll. Vermisst hat er seine früheren Reden im Bundestag. Als außenpolitischer Sprecher hofft er, wieder öfter am Pult stehen zu können. Am Donnerstagabend will er schon einmal loslegen. Mit einem linken Herzensthema: Geld für Gesundheit statt für Atombomber.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Wehner, Markus
Markus Wehner
Politischer Korrespondent in Berlin.
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