FAZ plus ArtikelFußballstadt Leipzig

Liebe kennt keine Liga

Von Stefan Locke
25.05.2019
, 08:15
Die mehr als 100 Jahre alte Holztribüne von Lokomotive Leipzig
An diesem Samstag will RB den DFB-Pokal nach Leipzig holen. Lok Leipzig wiederum hofft auf den Meistertitel, den der Vorgänger des Vereins 1903 als erste Mannschaft gewann.
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Am letzten Spieltag der Regionalliga Nordost sitzt Karl Drößler auf der Ehrentribüne des Bruno-Plache-Stadions in Leipzig und guckt skeptisch auf den Platz. Vor einer Viertelstunde hat der Schiedsrichter die Partie 1. FC Lokomotive Leipzig gegen 1. FC Oberlausitz Neugersdorf angepfiffen, doch seitdem schleppen sich die Spieler beider Seiten über den Rasen. Die Sonne steht zu dieser frühen Nachmittagszeit zwei Stunden vor Bundesliga-Anpfiff hoch, aber das ist nicht der Hauptgrund für den müden Kick da unten. „Geht ja um nichts mehr“, kommentiert Drößler halb verärgert, halb entschuldigend. Neugersdorf ist dem drohenden Abstieg bereits entronnen, während Leipzig seine hochfliegenden Aufstiegspläne für die dritte Liga im Laufe der Saison aufgeben musste. Spiel verloren, Platz sechs, Mittelfeld in der Tabelle, wird es für die Lok am Ende heißen. Es gehe jetzt darum, erst mal kleinere Brötchen zu backen, sagt Drößler.

Karl Drößler, den sie hier nur Karli nennen, ist eine Lok-Legende. Spieler der ersten Stunde, Mannschaftskapitän, DDR-Vizemeister, Bezwinger des portugiesischen Weltstars Eusébio, wovon gleich noch die Rede sein wird, zudem Professor am Lehrstuhl für Immunbiologie an der Universität Leipzig und erster demokratisch gewählter Präsident des Vereins nach der Friedlichen Revolution. Geht er heute zum Heimspiel, was er regelmäßig macht, und das nicht nur, weil er nur 15 Minuten zu Fuß vom Stadion entfernt wohnt, ist das wie ein Schaulaufen. Hey Karli! Karli, komm’ ma rüber! Karli, alles fit?, rufen Fans, die ihn in ihre Mitte und noch lieber auch in ihre Arme nehmen; nur die jungen Mitarbeiterinnen am Einlass zur Ehrentribüne sind am Samstag offenbar nicht informiert. Drößler, 82 Jahre alt und wie stets beim Spielbesuch akkurat in weißem Polohemd und Sakko, zeigt gelassen seinen Mitgliedsausweis und bekommt prompt das blaue Band ums Handgelenk gelegt.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Locke, Stefan
Stefan Locke
Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.
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