FAZ plus ArtikelG-7-Gipfeltreffen

Es eint die Einigkeit

Von Johannes Leithäuser, Garmisch-Partenkirchen
26.06.2022
, 18:53
Das hier ist das weniger steife Familienfoto vom G-7-Gipfel: Großbritanniens Boris Johnson ganz lässig in der Mitte, Frankreichs Emmanuel Macron als einziger ohne Sakko (2.v.r.), das Trio aus Italiens Mario Draghi, der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und dem US-Präsidenten Joe Biden etwas auf Abstand links neben Bundeskanzler Scholz, der sogar auch etwas lässig aussieht. Kanadas Justin Trudeau hat sichtlich Spaß und reißt Japans Fumio Kishida mit. Der lachende EU-Ratspräsident Charles Michel ist auf dem Weg zum Schulterschluss.
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Was die Staats- und Regierungschefs der führenden Industriestaaten verbindet, ist ihr Widerstand gegen Putin. Bei inhaltlichen Vorstößen besteht aber noch Redebedarf.
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Mit dem Fingerknöchel klopft Olaf Scholz gegen das Panzerglas, gegen sechsfach gestaffelte, mannshohe Scheiben, die zwischen der weit aufgezogenen Terrassentür des zimmergroßen Pavillons und der Kalksteinkulisse des Wettersteingebirges stehen. Der Bundeskanzler wartet auf Joe Biden, den amerikanischen Präsidenten, der gleich um die Ecke kommen und Scholz erst händeschüttelnd begrüßen, dann überschwänglich für seine Führungsstärke loben wird.

Der Gipfelpavillon bietet ein 180-Grad-Panorama. Leicht und transparent soll das Gesprächsarrangement wirken, wie das ganze Gipfeltreffen der sieben führenden Industriestaaten. Abgeschieden zwar im Schlosshotel Elmau in den bayerischen Alpen, aber doch auf einem Präsentierteller, damit die Welt auch sehen kann, wie einig und entschlossen sich die westliche Welt nach Putins Angriff auf die Ukraine zeigen will.

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Witze über Putin

Die Staats- und Regierungschefs haben zum Auftakt ihrer Beratungen beim G-7-Gipfel Witze über den gern einmal mit nacktem Oberkörper posierenden russischen Präsidenten Wladimir Putin gerissen. Dabei ging es bei der ersten Arbeitssitzung am Sonntag auf Schloss Elmau eigentlich zunächst nur um die Frage, ob die Teilnehmer bei sommerlichen Temperaturen ihre Jacketts ausziehen sollten.

„Jacken an? Jacken aus?", fragte der britische Premierminister Boris Johnson, während noch Fotografen im Raum waren. Kanadas Regierungschef Justin Trudeau schlug dann vor, bis zum offiziellen Foto der Runde zu warten. Doch Johnson insistierte: „Wir müssen zeigen, dass wir stärker als Putin sind.“

Trudeau hakte da ein und witzelte, die Runde solle sich wie Putin 2009 beim „Reiten mit nacktem Oberkörper“ ablichten lassen. Ohne offenbar auf die Bekleidungsfrage einzugehen, sagte darauf EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, die eine leidenschaftliche Reiterin ist: „Reiten ist das Beste.“

Johnson ließ aber nicht locker und forderte: „Wir müssen ihnen unsere Bauchmuskeln zeigen.“ Die Runde ließ dann ihre Jacketts an, bis die Fotografen den Raum verlassen mussten – und das Ende der Bekleidungsdebatte blieb hinter verschlossenen Türen im Ungewissen. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) stellte sich dann nach der Arbeitssitzung zwar ohne Krawatte, aber mit Jackett vor die Kameras. (AFP)

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Leithäuser, Johannes (Lt.)
Johannes Leithäuser
Politischer Korrespondent in Berlin.
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