Aufarbeitung von Missbrauch

Missbrauchsbeauftragte fordert gesetzliche Grundlage für Kommission

Von Heike Schmoll, Berlin
29.06.2022
, 15:00
Die Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Kerstin Claus, am 30. Mai in Berlin
Die Missbrauchsbeauftragte Claus fordert eine gesetzliche Grundlage für die Arbeit der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs. In das Gremium wurden zwei neue Mitglieder berufen.
ANZEIGE

Trotz der wachsenden Anzahl sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen gibt es nach wie vor keine gesetzliche Arbeitsgrundlage für die Unabhängige Kommission, die über ihre Amtszeit Ende 2023 hinausreicht.

Die Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs Kerstin Claus hat sich deshalb für eine gesetzlich verankerte Arbeitsgrundlage für die Kommission eingesetzt. „Ich werde mich gemeinsam mit der Kommission für ein kontextübergreifendes Recht von Betroffenen auf Aufarbeitung einsetzen“, sagte Claus am Mittwoch.

Ob und wie Aufarbeitung gelinge, dürfe man nicht dem Zufall überlassen. Sie brauche qualitativ verbindliche Standards sowie ein starkes staatliches Mandat. Für die Betroffenen wären damit etwa Akteneinsichts- und Auskunftsrechte verbunden. Gleichzeitig würden die Institutionen zur Aufarbeitung verpflichtet.

ANZEIGE

Am Mittwoch wurden auch zwei neue Mitglieder in die Unabhängige Kommission berufen: Silke Gahleitner, Professorin an der Alice Salomon Hochschule Berlin mit den Schwerpunkten Klinische Psychologie und Sozialarbeit, sowie Julia Gebrande, Professorin an der Hochschule Esslingen mit den Schwerpunkten Prävention, Intervention und Aufarbeitung sexualisierter Gewalt und Soziale Arbeit nach traumatischen Erfahrungen.

„Wir brauchen ein gesetzlich geregeltes Recht auf Aufarbeitung“

Sie folgen auf Brigitte Tilmann und Peer Briken, die nach langjährigem Engagement ihr Ehrenamt als Mitglieder der Kommission beendet hatten. „Staat und Gesellschaft haben eine Verantwortung gegenüber Menschen, die in ihrer Kindheit oder Jugend sexualisierter Gewalt ausgesetzt waren“, sagte Gebrande. Sie seien nicht gut genug geschützt worden. Ein ausreichendes Bewusstsein für diese Verantwortung und die notwendige klare Haltung im Umgang mit sexuellem Kindesmissbrauch seien in vielen gesellschaftlichen Segmenten nicht zu erkennen, kritisierte Gebrande.

ANZEIGE

„Um Betroffene besser zu unterstützen, brauchen wir ein gesetzlich geregeltes Recht auf Aufarbeitung“, sagte Gahleitner. Es solle Betroffene stärken, die Missbrauch etwa im kirchlichen Bereich, im Sport oder in Schulen erlebt hätten. Auch Jugendämter sollten aus der Vergangenheit lernen, um künftig besser zu schützen. Hierzu solle das Gesetz Institutionen, in denen Fälle bekannt geworden seien, zur Aufarbeitung verpflichten, so Gahleitner. Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs untersucht seit 2016 Ausmaß, Art und Folgen sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Schmoll, Heike
Heike Schmoll
Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.
  Zur Startseite
Lesermeinungen
Alle Leser-Kommentare
Verlagsangebot
Verlagsangebot
Immobilienbewertung
Verkaufen Sie zum Höchstpreis
Sprachkurs
Lernen Sie Englisch
Kapitalanlage
Pflegeimmobilien als Kapitalanlage der Zukunft
Automarkt
Top-Gebrauchtwagen mit Garantie
Gasvergleich
Gas vergleichen und sparen
Zertifikate
Ihre Weiterbildung im Compliance Management
ANZEIGE