FAZ plus ArtikelGendern von oben

Öffentlich-rechtliche Umerziehung

EIN KOMMENTAR Von Heike Schmoll, Berlin
10.08.2022
, 12:31
Rundfunk und Fernsehen maßen sich eine sprachliche Erziehung an, die ihnen nicht zusteht. Sie verhalten sich dabei nicht nur zutiefst undemokratisch, es widerspricht auch dem Auftrag der öffentlich-rechtlichen Medien.
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Ganz gleich welchen öffentlich-rechtlichen Radio- oder Fernsehsender man einschaltet: Sprecher, Moderatoren, Gäste oder Redakteure gendern. Im Hörfunk und Fernsehen am häufigsten mit einer Kunstpause vor dem -innen. Manchmal auch mit einem deutlich betonten I bei -innen. Der Kritik von Sprachforschern an dieser Selbstherrlichkeit haben sich inzwischen mehr als 170 Wissenschaftler angeschlossen. Sie haben zu Recht darauf hingewiesen, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk und das Fernsehen eine sprachliche Vorbildfunktion hätten und sich deshalb an geltenden Sprachnormen orientieren sollten. Mit dem Kulturgut Sprache sollten sie deshalb regelkonform, verantwortungsbewusst und ideologiefrei umgehen. Das Gendern widerspricht klar dem Neutralitätsgebot.

Maßgeblich für die geltenden Sprachnormen ist längst nicht mehr der Duden, sondern der von der Kultusministerkonferenz (KMK) eingesetzte Rat für deutsche Rechtschreibung. Der Rat hat eng begrenzte Freiräume. Regelveränderungen oder Eingriffe im Wörterverzeichnis darf er nicht selbständig vornehmen, er beobachtet Sprachentwicklung und versucht, die Einheitlichkeit des Sprachgebrauchs im Sinne einer allgemeinverständlichen Kommunikation zu sichern.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Schmoll, Heike
Heike Schmoll
Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.
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