Das neue schwarz-rote Kabinett

Wer wird was?

09.03.2018 · Im schwarz-roten Kabinett werden viele bekannte Gesichter zu sehen sein – aber auch ein paar neue. Überraschungen bei der Postenbesetzung gibt es in beiden Lagern.

Bundeskanzlerin

Angela Merkel (CDU)

Die Bundeskanzlerin hat ihre dritte Koalition mit den Sozialdemokraten zustande gebracht und rettet sich damit in ihre vierte Amtszeit. Es bleibt aber abzuwarten, wie lange die 63-Jährige noch weiter macht.

Kanzleramt

Helge Braun (CDU)

Der 45 Jahre alte Doktor der Medizin gehört als derzeitiger Staatsminister im Kanzleramt zu Merkels Machtzirkel, deshalb kommt sein Aufstieg auf den Chefsessel in der Regierungszentrale nicht unerwartet. In die Bundespolitik kam der Hesse erst 2009: Damals übernahm er den Posten des Parlamentarischen Staatssekretärs im Bildungsministerium.

Auswärtiges Amt

Heiko Maas (SPD)

Heiko Maas, 51, wird der neue Außenminister. Der gebürtige Saarländer wechselte 2013 als Justizminister in die Bundespolitik. Dort war für die umstrittene Mietpreisbremse und das viel kritisierte Netzwerkdurchsetzungsgesetz gegen Hassbotschaften in sozialen Medien verantwortlich.

Wirtschaft & Energie

Peter Altmaier (CDU)

Der 59 Jahre alte Kanzleramtsminister und geschäftsführende Finanzminister gehört zu den wichtigsten Vertrauten von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Der Jurist aus dem Saarland war Parlamentsgeschäftsführer der Union und Bundesumweltminister, bevor er 2013 den Chefposten in der Regierungszentrale übernahm. Immer wieder hat er für Merkel den Job des „Ausputzers“ gemacht: Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise übernahm er im Jahr 2015 die Koordination der Politik in diesem Bereich.

Inneres, Bau & Heimat

Horst Seehofer (CSU)

Nach neuneinhalb Jahren als bayerischer Ministerpräsident kommt auf den 68 Jahre alten Seehofer die vielleicht größte Aufgabe seiner Politikerlaufbahn zu. Sein Innenministerium wird um die Bereiche Heimat und Bau zum Superministerium aufgewertet. Kritiker fürchten, dass der Ingolstädter sich mit dem Ministerium plus dem Parteivorsitz zu viel zumutet. Seehofer war bereits von 1992 bis 1998 Bundesgesundheitsminister und von 2005 bis 2008 Landwirtschaftsminister.

Justiz & Verbraucherschutz

Katarina Barley (SPD)

Die gebürtige 49 Jahre alte Kölnerin mit britischem Vater und deutscher Mutter hat in der zurückliegenden Wahlperiode wohl die größten Karrieresprünge gemacht. 2013 zog sie über die Landesliste Rheinland-Pfalz erstmals in den Bundestag ein. Zwei Jahre später wurde die bis dahin in der Öffentlichkeit weithin unbekannte Juristin im Dezember 2015 zur Generalsekretärin der SPD gewählt. Eineinhalb Jahre später stieg Barley zur Bundesfamilienministerin auf, weil es Amtsinhaberin Manuela Schwesig als Ministerpräsidentin nach Schwerin zog. Nun wird die einstige wissenschaftliche Mitarbeiterin am Bundesverfassungsgericht Bundesjustizministerin.

Finanzen

Olaf Scholz (SPD)

Olaf Scholz, 59, wird neuer Vizekanzler und Chef des Finanzministeriums. Seit 2011 war er Regierungschef in Hamburg. Von Hause aus ist Scholz Fachanwalt für Arbeitsrecht, mittlerweile ist er aber ein gewiefter Finanzpolitiker: Im Namen der Länder handelte er mit dem damaligen Finanzminister Wolfgang Schäuble die Neuordnung der Bund-Länder-Finanzen aus.

Arbeit und Soziales

Hubertus Heil (SPD)

Der 45 Jahre alte SPD-Vizefraktionschef aus dem zweitstärksten Landesverband Niedersachsen ist der zweitjüngste in der SPD-Ministerriege, in der Bundespolitik aber ein alter Hase. Seit fast 20 Jahren gehört er dem Bundestag an, und zweimal organisierte er als Generalsekretär den Wahlkampf von SPD-Kanzlerkandidaten. Die Bundestagswahlen 2009 und 2013 führten zwar jeweils zu einem Absturz der SPD auf historisch schlechte Werte – Heil wurde dies aber nicht angelastet. Bislang war er für Wirtschaft, Energie und Bildung zuständig. Heil gilt als fachkompetent und bestens vernetzt.

Ernährung & Landwitschaft

Julia Klöckner (CDU)

Die CDU-Vizevorsitzende stammt aus einer rheinland-pfälzischen Winzerfamilie und war von 2009 bis 2011 Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeslandwirtschaftsministerium. Vergeblich trat die 45 Jahre alte Klöckner 2011 und 2016 als CDU-Spitzenkandidatin in ihrem Heimatland an. Obwohl sie als Wahlkämpferin in der Flüchtlingskrise Distanz zu Merkel erkennen ließ, konnte sie sich in der Bundespolitik behaupten und war bei den Koalitionsverhandlungen mit von der Partie.

Verteidigung

Ursula von der Leyen (CDU)

Die 59 Jahre alte von der Leyen hat mit dem Verteidigungsressort bereits ihr drittes Ministerium inne: Von 2005 bis 2009 leitete sie das Familienministerium, in der schwarz-gelben Koalition übernahm die Mutter von sieben Kindern zwischen 2009 und 2013 das Arbeitsministerium. Auf dem Schleudersitz im Verteidigungsministerium konnte sie sich seit 2013 ohne größere Blessuren halten.

Verkehr

Andreas Scheuer (CSU)

Der verheiratete Vater einer Tochter machte bereits als Verkehrsstaatssekretär unter dem Minister Peter Ramsauer von 2009 bis 2013 seine ersten Regierungserfahrungen. Seit Ende 2013 war der 43 Jahre alte Niederbayer CSU-Generalsekretär. Er organisierte die Wahlkämpfe zur Europawahl 2014 und zur vergangenen Bundestagswahl und vertrat als „Mann fürs Grobe“ Seehofers strittige Positionen in der Flüchtlingskrise gegenüber der Schwesterpartei CDU mit scharfen Worten.

Umwelt & Reaktorsicherheit

Svenja Schulze (SPD)

Die gebürtige Düsseldorferin gilt als Hoffnungsträgerin in im größten Landesverband der SPD Nordrhein-Westfalen. Unter Ministerpräsidentin Hannelore Kraft war sie fünf Jahre lang Wissenschafts- und Forschungsministerin und stieg nach der Niederlage der SPD bei der Landtagswahl im Mai 2017 zu Generalsekretärin der Landes-SPD auf. Als Umweltministerin wird die 45 Jahre alte Schulze wesentlichen Einfluss haben auf den Kohle-Ausstieg, der vor allem Nordrhein-Westfalen betrifft. Schulze ist auch Mitglied der Gewerkschaft Bergbau-Chemie-Energie, die beim Kohle-Ausstieg auf die Bremse tritt.

Bildung & Forschung

Anja Karliczek (CDU)

Die 46 Jahre alte Karliczek aus Nordrhein-Westfalen sitzt seit 2013 im Bundestag und war seit dem vergangenen Jahr parlamentarische Geschäftsführerin der Unionsfraktion. Die verheiratete Mutter von drei Kindern und Diplom-Kauffrau wurde im Wahlkreis Steinfurt III direkt in den Bundestag gewählt.

Gesundheit

Jens Spahn (CDU)

Der 37 Jahre alte Politologe aus dem Münsterland gilt als großes CDU-Nachwuchstalent. Als 22-Jähriger zog Spahn 2002 in den Bundestag ein, 2009 bekam er den wichtigen Posten des gesundheitspolitischen Fraktionssprechers. Seit 2015 war der ehrgeizige Westfale Parlamentarischer Staatssekretär im Finanzministerium. Der mit einem Journalisten verheiratete Spahn gehört zu den jungen CDU-Konservativen, die in der Flüchtlingskrise auf Distanz zu Merkel gingen.

Famlie, Senioren, Frauen, Jugend

Franziska Giffey (SPD)

Die 39 Jahre alte Berliner Kommunalpolitikerin ist neu auf der Bühne der Bundespolitik. Sie ist zudem in Frankfurt/Oder geboren und damit eine gebürtige Ostdeutsche am Kabinett. Als Bürgermeisterin des Berliner Bezirks Neukölln, war sie mit Integrationsproblemen und hoher Arbeitslosigkeit konfrontiert. Giffey hat sich seit Übernahme des Amtes rasch Ansehen erworben, sie pragmatisch Probleme anpackt. Giffey wird das Bundesfamilienministerium übernehmen.

Entwicklung

Gerd Müller (CSU)

Amtsinhaber Gerd Müller (62) macht weiter. Seit 1994 ist der Schwabe im Bundestag. Eines seiner wichtigsten Themen ist die Bekämpfung von Fluchtursachen.

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