Grüne in Berlin

Bettina Jarasch, beinahe Häuptling

Von Markus Wehner
03.10.2021
, 17:51
Bettina Jarasch spricht auf einer Pressekonferenz am Tag nach der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus
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Bettina Jarasch hat die Grünen in Berlin zu ihrem besten Ergebnis geführt. Für Berlin wünscht sie sich „mehr Bullerbü“. Das finden nicht alle gut.
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Kurz sah es nach einer Überraschung aus. Am Wahlsonntag lagen Berlins Grüne zwischenzeitlich auf Platz eins. Dann wäre Bettina Jarasch die erste Grüne im Roten Rathaus geworden – am Ende hatte aber die SPD mit Franziska Giffey die Nase vorn. Die 52 Jahre alte gelernte Journalistin Jarasch kann sich zugutehalten, dass sie die Grünen mit 18,9 Prozent zum bisher besten Ergebnis in Berlin geführt hat.

Doch gelang es der Partei auch in Berlin nicht, ihre Umfragewerte, die bis 27 Prozent reichten, in einen Wahlsieg zu verwandeln. Berlins Grüne sind dafür zu sehr den Lebenswelten der Innenstadt verhaftet, die gesamte Stadt haben sie weniger im Blick.

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Jarasch, den Berlinern weitgehend unbekannt, hat einen fleißigen Wahlkampf bestritten. Doch wirkte sie oft unsicher im Auftreten. Dass es ihr an Erfahrung in der Verwaltung fehlt, konnte sie nicht verbergen. Jarasch bezeichnet sich selbst als „Brückenbauerin“, die verschiedene Kräfte zusammenbringen kann. Für Koalitionsgespräche kann das wichtig sein. In Berlin braucht es eine Dreier-Koalition. Jarasch will, anders als Giffey, das Bündnis mit der SPD und den Linken fortsetzen. Doch auch mit der FDP redet sie schon.

Sie wünscht sich „mehr Bullerbü“ für Berlin

Zu ihren Terminen kommt die Grüne oft mit dem Fahrrad, ein Auto hat sie nicht mehr. Dass sie den Autoverkehr aus der Innenstadt weitgehend verbannen, Parkplätze und Straßen für mehr Grün und mehr Radwege reduzieren will, finden Berliner in den Außenbezirken wenig prickelnd – wie auch den Satz von Jarasch, sie wünsche sich „mehr Bullerbü“ für die Hauptstadt.

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Den Grünen trat Jarasch erst 2009 bei, da hatte sie schon als Referentin für die Abgeordneten Christa Nickels und Renate Künast gearbeitet. Zwei Jahre später war sie Landesvorsitzende und konnte die zerstrittene Berliner Partei befrieden. Doch als sie 2017 in den Bundestag wollte, ließen die Grünen sie bei der Listenaufstellung durchfallen. Als sie nun auf einem Parteitag sagte, als Kind habe sie „Indianerhäuptling“ werden wollen, wurde sie für das inkorrekte Wort für die amerikanischen Ureinwohner von der Partei hart kritisiert.

Kritik an ihrem Wunsch „Inianerhäuptling“ zu sein

Jarasch stammt aus Augsburg, ihr Vater war dort Papiergroßhändler, mit der Mutter gründete er ein angesehenes Forum für interkulturelle Bildung. Die Großmutter, eine zum Protestantismus konvertierte Jüdin, überlebte die Nazi-Zeit nur mit Glück. Jarasch kam 1992 zum Philosophiestudium nach Berlin, ihr süddeutscher Akzent ist bis heute zu hören.

Nach langen Jahren in Kreuzberg ist sie mit ihrem Mann, einem Journalisten, und den beiden jugendlichen Söhnen kürzlich nach Wilmersdorf gezogen. Ihre Stimme gab Jarasch im Wahllokal im Evangelischen Gymnasium zum Grauen Kloster ab, einem der grundständigen Gymnasien der Stadt, die nach dem Willen der Grünen abgeschafft werden sollen.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Wehner, Markus
Markus Wehner
Politischer Korrespondent in Berlin.
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