Guttenbergs Plagiatsaffäre

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01.03.2011
, 13:25
Schlusspunkt einer denkwürdigen Affäre: Guttenberg wirft hin
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Der Rücktritt von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ist der Schlusspunkt einer Affäre, die Deutschland über mehr als zwei Wochen in Atem gehalten hat. Ein Überblick.
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Nun also doch: Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg wirft wegen der Plagiatsaffäre und des immensen öffentlichen Drucks hin und tritt von allen politischen Ämtern zurück. Damit zieht er die Konsequenzen aus einer zweiwöchigen Affäre. Eine Chronologie.

15. Februar 2011: Die „Süddeutsche Zeitung berichtet vorab über mögliche Plagiate in der Doktorarbeit von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). Die Arbeit „Verfassung und Verfassungsvertrag. Konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU“ wurde 2006 an der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Bayreuth eingereicht. Guttenberg hatte dafür die Bestnote summa cum laude erhalten.

16. Februar 2011: In der “Süddeutschen Zeitung“ stehen erste Plagiatsbeispiele, die der Bremer Juraprofessor Andreas Fischer-Lescano festgestellt hat. Guttenberg weist die Vorwürfe noch als „abstrus“ zurück. Er betont: „Die Anfertigung dieser Arbeit war meine eigene Leistung.“ Guttenbergs Doktorvater Peter Häberle nennt die Vorwürfe in der Münchner „Abendzeitung“ ebenfalls „absurd“.

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Kurz darauf berichtet FAZ.NET, dass die Einleitung der Doktorarbeit aus einem Artikel in der F.A.Z. abgeschrieben wurde (siehe auch: Guttenberg-Dissertation: Anfang bei F.A.Z. abgeschrieben). Der einleitende Absatz der Arbeit deckt sich fast wortwörtlich mit einem 1997 erschienenen Text der Politikwissenschaftlerin Barbara Zehnpfennig. Noch im Tagesverlauf kommen immer neue Vorwürfe. Guttenberg befindet sich in diesem Moment auf einem Blitzbesuch nach Afghanistan.

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17. Februar 2011: Während Guttenberg die deutschen Truppen in Nordafghanistan besucht, werden in Deutschland fast stündlich neue Plagiatsvorwürfe laut. Erstmals werden Rufe nach einem Rücktritt laut. Im Internet wird Webseite für die Schummel-Recherche eröffnet. Unter „guttenplag-wiki“ (siehe auch: Vorwürfe gegen Guttenberg: Die Stunde der Plagiatssucher) sollen die Vorwürfe gegen den CSU-Politiker gesammelt und bewertet werden. Die Uni Bayreuth gibt Guttenberg 14 Tage Zeit für eine schriftliche Stellungnahme. (siehe auch: Guttenbergs Dissertation: Immer mehr abgekupferte Stellen)

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18. Februar 2011: Erstmals gehen Strafanzeigen gegen Guttenberg wegen der Plagiatsvorwürfe ein. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagt ihrem Minister Unterstützung für den Fall zu, dass er sich zu den Vorwürfen erkläre. In einem eilig einberufenen Pressestatement entschuldigt sich Guttenberg am Mittag für „Fehler“ und erklärt, er werde seinen Doktortitel bis zur Aufklärung durch die Uni Bayreuth nicht führen. Zugleich versichert er erneut: „Meine von mir verfasste Dissertation ist kein Plagiat.“ (siehe auch: Plagiatsvorwürfe: Universität will Erklärung Guttenbergs).

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Zeitgleich erklärt sein Sprecher Steffen Moritz in der Bundespressekonferenz, dass der Minister gerade „vor ausgewählten Journalisten“ eine Erklärung abgibt. Es kommt zu einem Eklat: Die aufgebrachten Journalisten verlassen den Saal - erstmals in der Geschichte der Bundespressekonferenz. Guttenberg entschuldigt sich später für „die Parallelität der Presseunterrichtungen“.

19. Februar 2011: Die Plagiatsvorwürfe gehen weiter. Guttenberg soll auch aus der Hausarbeit eines Studienanfängers abgeschrieben haben, berichtet die „Berliner Zeitung“. Zudem gibt es abermals Vorwürfe, er habe den Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages unberechtigt für seine Arbeit eingespannt. Im einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Focus“ beantwortet der CSU-Politiker die Frage, ob er seit Dienstag einmal an Rücktritt gedacht habe, knapp mit „Unsinn!“.

20. Februar 2011: Das Verteidigungsministerium will über das ganze Wochenende keine Stellung nehmen zu dem Vorwurf, der Minister habe den Doktortitel erworben, ohne das zweite juristische Staatsexamen abgelegt zu haben. Das hatte die F.A.Z. berichtet. In einem Vorabbericht der „Süddeutschen Zeitung“ schürt der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer Spekulationen, Guttenberg habe einen Rücktritt erwogen. „Ich habe ihm geraten durchzuhalten“, sagt Seehofer.

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21. Februar 2011: Die Woche startet mit neuem Ungemach. Zum einen wollen die Bundestagsfraktionen von SPD und Grünen die Plagiatsvorwürfe zum Thema im Bundestag machen. Zum anderen legt „guttenplag-Wiki“ am Nachmittag einen Zwischenbericht vor: Danach stehen 271 Seiten der Dissertation oder knapp 70 Prozent unter Plagiatsverdacht. (siehe auch: Plagiatssucher: „Die ganze Dissertation wurde abgeschrieben“)

Wenige Stunden zuvor hatte der CSU-Vorsitzende im ZDF klargestellt, dass Guttenberg die Rückendeckung seiner Partei habe. Kurz darauf stellen sich auch die CDU-Spitzen an die Seite von Guttenberg. Am frühen Nachmittag sagt Frau Merkel selbst, sie habe Guttenberg als Minister bestellt „und nicht als wissenschaftlichen Assistenten“. Der Minister mache eine ausgezeichnete Arbeit. „Und das ist, was für mich zählt.“

Am Abend spricht Guttenberg in Kelkheim bei Frankfurt am Main von „gravierenden Fehlern“ und will nun dauerhaft auf den Doktortitel verzichten (siehe auch: Guttenberg: „Solche Stürme hält man aus“). Die CDU-Anhänger der Valentinsveranstaltung applaudieren und sprechen Guttenberg Mut zu. Im sozialen Netzwerk Facebook kann eine Unterstützungskampagne bereits am Nachmittag auf rund 130.000 Unterstützer verweisen. Am Dienstag sind es nach dem Doktorverzicht schon rund 200.000.

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22. Februar 2011: Der Wissenschaftsverlag Duncker und Humblot will Guttenbergs Doktorarbeit künftig weder ausliefern noch neu auflegen. „In der vorliegenden Form bleibt die Dissertation dauerhaft aus unserem Angebot gestrichen“, sagt der Geschäftsleiter Florian Simon.

23. Februar 2011: Die Universität Bayreuth entzieht Guttenberg den Doktortitel. (siehe auch: Uni Bayreuth erkennt Guttenberg den Doktortitel ab)

28. Februar 2011: Wissenschaftler übergeben einen von 23.000 Doktoranden unterzeichneten offenen Brief an Merkel, in dem sie der CDU-Politikerin in der Plagiats-Affäre eine „Verhöhnung“ aller wissenschaftlichen Hilfskräfte vorwerfen. Ihre Haltung in der Debatte lege nahe, „dass es sich beim Erschleichen eines Doktortitels um ein Kavaliersdelikt handele“. (siehe auch: Plagiatsaffäre: Doktoranden greifen Guttenberg an)

Auch Guttenbergs Doktorvater Häberle geht nun auf Distanz zu seinem ehemaligen Studenten. Mit sehr großem Bedauern habe er zur Kenntnis nehmen müssen, dass die Umstände geeignet seien, den Ruf der Universität Bayreuth in Misskredit zu bringen. teilt der Jura-Professor in einer schriftlichen Erklärung mit, die der Zeitung „Die Welt“ vorliegt.

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Mitten in der Affäre erscheint zudem eine Biografie über das Leben des Verteidigungsministers. Das schlicht „Guttenberg“ betitelte Buch der beiden F.A.Z.-Journalisten Eckart Lohse und Markus Wehner über Jugend und politischen Werdegang des CSU-Politikers wird in Berlin vorgestellt.

1. März 2011: Guttenberg gibt seine politischen Ämter auf, wie er in einem kurzfristig anberaumten Statement erklärt. „Das ist der schmerzlichste Schritt meines Lebens“, sagt er. Hintergrund ist die massive Kritik aus der Wissenschaft und aus der Koalition in der Plagiatsaffäre. (siehe auch: Guttenberg tritt zurück).

Quelle: FAZ.NET
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