„Dinosaurier des Jahres 2020“

Autobahn-Projekt bekommt Negativpreis des Naturschutzbundes

29.12.2020
, 14:15
Die geplante Hamburger Hafenpassage soll die A1 und die A7 verbinden. Für die Anwohner an der stark befahrenen B73 sei sie eine Entlastung, sagt die zuständige Behörde. Der Nabu hält die A26 Ost für das Symbol einer verfehlten Verkehrspolitik.

Der Naturschutzbund (Nabu) hat am Dienstag die geplante Hamburger Hafenpassage A26 Ost mit dem Negativpreis „Dinosaurier des Jahres 2020“ ausgezeichnet. „Die Autobahn ist Sinnbild für eine verfehlte Verkehrspolitik sowie für antiquierte Infrastrukturplanungen in ganz Deutschland“, hieß es in der Begründung des Nabu.

„Wir wollen, dass die Planung gestoppt wird“, forderte Nabu-Präsident Jörg-Andreas Krüger. Für den Ausbau werden demnach Niedermoorböden versiegelt und Restmoorflächen zerstört, die viel Kohlendioxid speichern. Zudem sei das Projekt in Anbetracht der Abschaltung des Kohlekraftwerks Moorburg und den gesunkenen Umschlagserwartungen für den Hamburger Hafen nicht mehr zeitgemäß. Die Hamburger Verkehrsbehörde konterte umgehend: Vor allem für Anwohner an der stark befahrenen B73 werde das Autobahnteilstück eine Entlastung von Straßenlärm und Verkehr bringen.

Laut Wirtschaftsbehörde soll die geplante Querverbindung der A1 und der A7 eine Länge von bis zu zehn Kilometern haben. Mit der A26 Ost und der Köhlbrandquerung entsteht so im Hafen ein Verkehrsnetz, mit Hilfe dessen unter anderem weniger Fahrzeuge über die B73 durch Harburg und Wilhelmsburg fahren sollen, wie ein Sprecher erklärte. Behörden-Angaben zufolge kostet das Projekt rund 900 Millionen Euro, die überwiegend aus Bundesmitteln finanziert werden. Der Nabu geht allerdings eigenen Schätzungen zufolge von weitaus höheren Kosten für Bund und Hansestadt aus.

Mit dem „Dinosaurier des Jahres“ wurde 2020 erstmals keine Person ausgezeichnet, sondern ein Projekt, wie Krüger betonte. Vorherige Preisträger waren unter anderem der ehemalige Bundesfinanzminister Theo Waigel (CSU) oder der RWE-Vorstandsvorsitzende Rolf Martin Schmitz für die Rodung des Hambacher Forstes. Im vergangenen Jahr wurde der „Dinosaurier“ nicht vergeben.

Quelle: dpa/epd
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