Homosexualität

Bundestag verbietet Konversionstherapien bei Jugendlichen

Von Kim Björn Becker
07.05.2020
, 21:55
Homosexualität ist keine Krankheit und bedarf darum auch keiner Therapie – trotzdem finden gerade in evangelikalen Kreisen immer wieder Konversionstherapien statt. Die Behandlungen sind nun bei Jugendlichen verboten.

Die Gespräche finden meist verdeckt statt, einen medizinischen Leitfaden gibt es nicht. Sogenannte Konversionstherapien werden vor allem im evangelikalen Spektrum angeboten. Sie zielen darauf ab, Schwule und Lesben von ihrer sexuellen Orientierung zu „befreien“, ihre Homosexualität zu „heilen“. Dass dieser Blick auf Sexualität nicht mehr der Zeit entspricht, liegt auf der Hand. Die Weltgesundheitsorganisation strich Homosexualität im Jahr 1990 von der Liste der psychischen Erkrankungen. Die wenigen wissenschaftlichen Studien, die es zu Umpolungsversuchen gibt, deuten darauf hin, dass den Betroffenen teils schwerer psychischer Schaden zugefügt wird. Deshalb ist damit bei Jugendlichen nun Schluss.

Der Bundestag hat Donnerstagabend ein Gesetz aus der Feder von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) beschlossen, das Konversionstherapien bei Minderjährigen grundsätzlich verbietet. Gemeint sind alle Versuche, die sexuelle Orientierung oder die selbstempfundene geschlechtliche Identität zu verändern. Unter bestimmten Voraussetzungen sind diese Behandlungen auch bei Erwachsenen verboten. Das gilt immer dann, wenn ein Willensmangel vorliegt – etwa wegen einer Täuschung, Drohung, eines Irrtums oder Zwangs. Untersagt ist ferner das Anbieten, Bewerben oder Vermitteln solcher Therapien. Wer in Zukunft trotzdem versucht, Jugendliche umzupolen, begeht demnach eine Straftat und kann zu einer Geldstrafe oder zu einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr verurteilt werden. Wer entsprechende Therapien nach Inkrafttreten des Gesetzes öffentlich anbietet, handelt hingegen nur ordnungswidrig; die Geldbuße beträgt bis zu 30.000 Euro.

Die Bundespsychotherapeutenkammer sprach sich vor der Schlussabstimmung im Bundestag für das neue Gesetz aus. „Konversionsmaßnahmen sind nicht nur stigmatisierend und diskriminierend, sondern auch psychisch gefährdend“, sagte Kammerpräsident Dietrich Munz. „Betroffene entwickeln häufiger depressive Erkrankungen, Angststörungen und Substanzmissbrauch und haben insbesondere als Jugendliche und junge Erwachsene ein erhöhtes Suizidrisiko.“

Anderen ging das Gesetz nicht weit genug. „Mindestens bei jungen Menschen in der Altersgruppe zwischen 18 und 26 Jahren muss es einen vergleichbaren Schutzbedarf wie bei Minderjährigen geben“, sagte Ulle Schauws, Sprecherin für Queerpolitik der Grünen im Bundestag. Die Linkspartei forderte eine Anhebung der Altersgrenze auf 27 Jahre. Außerdem sollen Eltern oder Sorgeberechtigte stärker zur Rechenschaft gezogen werden, wenn es bei jungen Menschen entsprechende „Umerziehungsversuche“ gebe. Der Gesetzentwurf sieht zwar auch für sie Sanktionen vor; allerdings nur dann, wenn die Fürsorgepflicht grob verletzt wird. „Wer eigene Kinder den gefährlichen Umpolungsversuchen unterzieht, verletzt seine Fürsorgepflichten ohne Wenn und Aber“, kritisierte auch der FDP-Politiker Jens Brandenburg.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Becker, Kim Björn
Kim Björn Becker
Redakteur in der Politik.
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