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Nach Seehofer-Interview

Welcher Islam passt zum Land?

Von Martin Benninghoff
 - 10:33
Muslime der Ahmadiyya Gemeinde in Rheinstetten (Baden-Württemberg)

Den Satz „Der Islam gehört zu Deutschland“ hält der neue Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) für falsch. Deutschland sei durch das Christentum geprägt, sagt er als eine seiner ersten Amtshandlungen in der „Bild“-Zeitung. Damit stellt er sich offen gegen den früheren Bundespräsidenten Christian Wulff, von dem dieser Satz stammt, und auch gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel, die ihn mehrfach bekräftigt hat. Muslime, ergänzt Seehofer, gehörten freilich schon zu Deutschland.

Doch die naheliegende Frage ist: Kann man das so einfach trennen, Muslime und Islam? Wenn Seehofer damit meint, die großen Islamverbände, die mehrheitlich einen konservativen und sehr zweifelhaften Islam vertreten, sollten nicht den Kirchen rechtlich gleichgestellt werden, dann ist das nachvollziehbar und auch Stand der Dinge. Zwar wurde die muslimische Religionspraxis durch allerlei Modellversuche und Übergangslösungen in den vergangenen Jahren erleichtert. Eine Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts hingegen bleibt den meisten Verbänden nach wie vor verwehrt. Völlig zurecht.

Trotzdem gibt es eine Reihe von Mitwirkungsmöglichkeiten für islamische Vertreter, etwa beim Bekenntnis-Islamunterricht an nordrhein-westfälischen Schulen. Das ist keine dauerhafte Adelung, wie etwa die Tatsache zeigt, dass die Mitgliedschaft von Ditib, des zu Recht hochumstrittenen deutschen Ablegers der türkischen Religionsbehörde, derzeit ruht. Aber keiner wird bestreiten, dass ein vernünftig begründeter Islamunterricht unter der Oberhoheit des deutschen Staates dabei helfen kann, dem negativen Einfluss mancher Koranschulen und Moscheeverbände etwas Wirksames entgegenzusetzen.

Ob der Islam damit zu Deutschland gehört? Faktisch schon. Die wichtige Frage ist nur: Welcher Islam? Es wird auch die Aufgabe des Innenministeriums und seines Ministers sein, dieses Wie – und nicht nur das Ob – mit Inhalten zu füllen.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Benninghoff, Martin
Martin Benninghoff
Redakteur vom Dienst bei FAZ.NET
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