Spahn über Corona-Warn-App

„Eine der erfolgreichsten Apps weltweit“

Von Swaantje Marten, Berlin
Aktualisiert am 23.09.2020
 - 14:24
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (links) und Kanzleramtschef Helge Braun (rechts) vor der Pressekonferenz zur Corona-Warn-App am Mittwoch in Berlin.
Kanzleramtschef Helge Braun und Gesundheitsminister Jens Spahn sind zufrieden mit der Corona-Warn-App. Viele Deutsche nutzen sie. Aber nur wenige informieren andere Nutzer, wenn sie an Covid-19 erkrankt sind.

Gesundheitsminister Jens Spahn und Kanzleramtschef Helge Braun haben am Mittwoch eine positive Bilanz zur Corona-Warn-App gezogen. Seit 100 Tagen können Bürger die App nutzen. Spahn sagte bei einer Pressekonferenz in Berlin, die deutsche App sei mit gut 18 Millionen Downloads „eine der erfolgreichsten Apps weltweit“. Auch im Ausland sei die App von 400.000 Nutzern heruntergeladen worden, so Braun. Spahn betonte, in Deutschland gebe es so viele Nutzer wie in allen anderen europäischen Ländern zusammen.

Bislang wurden 1,2 Millionen Testergebnisse von den Laboren über die App an Nutzer vermittelt. In Berlin stimmten laut Spahn in der vergangenen Woche beispielweise 50 Prozent der Getesteten dieser Datenübermittlung zu. Durch die App könnten Nutzer deutlich schneller über ein Testergebnis informiert werden als über ihren Arzt oder das Gesundheitsamt. Dieser „Beschleunigungseffekt“ sei gerade bei einem höheren Infektionsgeschehen, wie es im Herbst und Winter zu erwarten sei, entscheidend, so Braun.

Allerdings haben bislang nur knapp 5000 Nutzer, die ein positives Testergebnis bekommen haben, ihre Kontakte per Klick über die App gewarnt. Spahn verteidigte die scheinbar geringe Zahl. Wenn jeder dieser Personen zehn bis zwanzig Kontakte habe, seien durch die App viele Tausend Menschen davor gewarnt worden, dass sie infiziert sein könnten. Trotzdem rief er die Nutzer dazu auf, im Falle eines positiven Testergebnisses ihre Kontakte über die App zu warnen. „Mit-appen“ heiße nicht nur, die App herunterzuladen, sondern auch, Kontakte zu informieren. Der Gesundheitsminister wies aber auch darauf hin, dass die App kein „Allheilmittel“ sei, sondern nur eines von vielen Instrumenten im Kampf gegen das Virus.

Bis Mitte Oktober soll die deutsche App mit den Warn-Apps von elf anderen europäischen Ländern verknüpft werden. Nutzer könnten die App laut Timotheus Höttges, dem Vorstandsvorsitzenden der Telekom, die die App gemeinsam mit SAP entwickelt hat, durchaus schon in den Herbstferien im europäischen Ausland nutzen. Die anonymen Daten der verschiedenen Apps sollen dann über einen europäischen Server in Luxemburg ausgetauscht werden. Ist man beispielsweise mit einer infizierten Person in Italien in Kontakt gekommen, würde man dann eine Warnung über die deutsche App bekommen.

Auch die Ergebnisse der Antigen-Schnelltests, die Spahn als Teil einer neuen nationalen Teststrategie ab Mitte Oktober angekündigt hatte, könnten laut Dorothee Bär (CDU), der Staatsministerin für Digitalisierung, in die App eingespeist werden. Voraussetzung hierfür sei jedoch effektiv die Anbindung der Labore an die App. Laut Telekom-Chef Höttges sind mittlerweile 81 Prozent der Labore, die gemeinsam 90 Prozent der Testkapazität vereinen, an die App angebunden. 15 Labore weigerten sich jedoch nach wie vor, die nötigen Digitalisierungsschritte zu unternehmen, um ihre Daten per App übermitteln zu können.

Wo die meisten Testergebnisse übermittelt werden, kann man durch die App nicht ermitteln, da die Nutzerdaten nicht zentral gesammelt werden. Der hohe Datenschutz-Standard sei allerdings keine Schwäche der App, sondern eine ausdrückliche Stärke, so Braun. Auch wenn er gerne mehr Erkenntnisse hätte, so habe man sich doch bewusst für den Datenschutz entschieden, um die Akzeptanz und das Vertrauen in der Bevölkerung zu erhöhen, so Spahn.

Quelle: FAZ.NET
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