Labore sollen mehr analysieren

Spahn warnt vor Gefahr von mutierten Viren

Von Kim Björn Becker
18.01.2021
, 10:59
Dass sich ein Virus mit der Zeit verändert, sei normal. Doch dass es dabei so viel ansteckender werde, beunruhigt den Bundesgesundheitsminister. Jetzt will er die Labore dazu verpflichten, mehr Proben genetisch zu untersuchen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat davor gewarnt, die Gefahr von Mutanten des Coronavirus zu unterschätzen. „Dass sich Viren verändern, ist normal. Dass sie so schnell so viel infektiöser werden, das ist es nicht unbedingt“, sagte Spahn am Montag in Berlin. Dies betrifft vor allem die Mutanten, die in Großbritannien und in Südafrika bislang aufgetreten sind. Zudem gebe es „weitere besorgniserregende Meldungen aus Brasilien“, sagte Spahn.

Um besser zu verstehen, welche Mutanten des Coronavirus sich in Deutschland verbreiten, sollen die Labore deutlich mehr Proben genetisch untersuchen als bisher. So sollen auch mögliche neue, bisher unbekannte Mutationen entdeckt werden. Eine entsprechende Rechtsverordnung wollte Spahn noch am Montag unterzeichnen. Zwar würden einzelne Labore auch bisher Proben an das Robert-Koch-Institut (RKI) oder an das Konsiliarlabor an der Berliner Charité schicken. „Das reicht in der aktuellen Lage nicht aus“, sagte Spahn.

Die neue Verordnung sieht vor, dass Labore verpflichtet werden, Viren zu sequenzieren und die Ergebnisse zentral an das RKI zu melden. Dafür bekommen sie 220 Euro je Auswertung. Laut Spahn sollten mindestens fünf Prozent aller Positivtestungen „genomsequenziert“ werden. Die Analyse des Virus werde damit „fester Bestandteil der Pandemieüberwachung“.

Nach Angaben des Verbands der akkreditierten Labore in der Medizin haben bundesweit 169 Labore in der ersten Kalenderwoche des Jahres mehr als eine Million Coronatests ausgewertet. Etwa 13,7 Prozent dieser Tests fielen positiv aus, was etwa 146.000 Tests entspricht. Gemäß der neuen Verordnung müssten davon mindestens 7300 Proben genetisch ausgewertet, also sequenziert werden.

Spahn beschrieb den Umgang mit den Corona-Mutanten als „sehr herausfordernd“. Es sei zwar beruhigend, dass eine Ansteckung mit einer Mutante nicht dazu führe, dass der Krankheitsverlauf von Covid-19 schwerer werde. Aber die zunehmenden Ansteckungen setzten das Gesundheitssystem zunehmend unter Druck. „Wenn sich viel schneller viel mehr Menschen anstecken, kommen mehr in die Kliniken zur Behandlung und auf die Intensivstationen“, sagte der Gesundheitsminister. „Mehr Ansteckungen heißt mehr Schwer- und Schwerstkranke.“

Deswegen seien weitere Kontaktreduzierungen so wichtig. „Wir sind noch lange nicht da, wo wir hinmüssen. Deswegen müssen die Zahlen weiter runter.“ Am Dienstag wollen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder über mögliche Verschärfungen der Corona-Maßnahmen beraten. Am Montagmorgen sagte Spahn im ARD-„Morgenmagazin“, dass eine Verschärfung der Regeln aber keineswegs sicher sie. Es gehe um eine weitere Kontaktreduzierung im Privaten und in der Arbeitswelt. Dabei sei zu entscheiden, ob es vor allem um neue Regeln oder noch einmal um eine Schärfung des Bewusstseins der Menschen gehe.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Becker, Kim Björn
Kim Björn Becker
Redakteur in der Politik.
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