Jusos und Ramelow

Endlich in der Normalität angekommen

Von Leonie Feuerbach, Bielefeld
06.12.2014
, 09:43
Viele Jungsozialisten sehen es als überfälliges Zeichen der Normalität, dass mit Bodo Ramelow nun ein Linker zum Ministerpräsidenten gewählt wurde.

„Viel Erfolg nach Thüringen und herzlichen Glückwunsch, Bodo Ramelow!“, ruft Johanna Uekermann ins Mikrofon. An dem Tag, an dem Bodo Ramelow zum Ministerpräsidenten einer Koalition aus Linkspartei, SPD und Grünen gewählt wurde, beginnen die Jusos ihren dreitägigen Bundeskongress in Bielefeld. Die Juso-Vorsitzende Uekermann lässt keinen Zweifel daran, dass Rot-Rot-Grün ihre Wunschkoalition ist, nicht nur auf Länderebene, sondern 2017 auch im Bund. Die Jusos hatten sich gegen die große Koalition ausgesprochen, eine Mehrheit befürwortet Koalitionen mit der Linkspartei. „Gerade Fragen der Umverteilung durch Steuern und die Frage, ob unser Gesellschaftssystem so weiterbestehen kann, können wir mit der Linkspartei einfach besser behandeln“, sagt Jaqueline Rauschkolb, Juso-Landesvorsitzende in Rheinland-Pfalz.

Kein historischer Wendepunkt

Als historischer Wendepunkt wird die Wahl Ramelows in Bielefeld nicht wahrgenommen. „Wir haben ja immer dafür geworben, dass Koalitionen mit der Linkspartei Normalität werden. Jetzt ist es Realität und das soll jetzt auch normal sein“, sagt ein Delegierter aus Berlin. „Wir sehen das eher pragmatisch, weil Rot-Grün oft keine Machtoption mehr ist“, sagt ein Delegierter aus dem Saarland zu dem Thema. Ramelow zu bejubeln wäre auch deshalb unangemessen, weil man sich natürlich SPD-Ministerpräsidenten wünsche.

Johanna Uekermann attackiert die Kritiker der neuen Regierung in Thüringen: Die SPD in den neuen Bundesländern brauche keine Ratschläge von „alten Blockflöten“ wie der Ex-Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht. Und der CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer, der gesagt hatte, „aufrechte Demokraten würden einer Koalition mit den SED-Unrechts-Verherrlichern eine klare Absage erteilen“, sei ein „reaktionärer Hetzer“. Beim Stichwort „Unrechts-Verherrlicher“ kommen zustimmende Rufe aus der Ecke der Hamburger Delegierten, die als konservativer Landesverband gelten.

„Die Linkspartei muss auf uns zugehen“

Hakt man in dieser Ecke nach, heißt es, man sehe die Koalition mit der Linkspartei eher kritisch. „Es heißt immer, die SPD müsse auf die Linkspartei zugehen, aber ich finde, die Linkspartei muss eher auf uns zugehen und vor allem an ihrer Vergangenheit arbeiten“, sagt ein Delegierter. Die Jusos positionierten sich links der SPD, doch in Hamburg könne man sehen, dass mit einer SPD, die sich an der Mitte orientiert, Zweier-Koalition oder sogar Alleinregierungen möglich seien.

Auch aus anderen Landesverbänden hört man vereinzelt kritische Stimmen, vor allem zur außenpolitischen Haltung der Linkspartei. Und selbst die Vorsitzende verzichtet nicht vollkommen auf Kritik. Für rot-rot-grün im Bund müssten alle Beteiligten noch einen weiten Weg zurücklegen, sagt Uekermann. „Dafür muss die Linkspartei auch endlich Schluss damit machen, antisemitischen Spinnern ein Forum zu bieten.“

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Feuerbach, Leonie
Leonie Feuerbach
Redakteurin im Frankfurter Allgemeine Magazin.
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