Erzbistum Köln

Kardinal Woelki hält Gutachten über Missbrauch zurück

Von Daniel Deckers
30.10.2020
, 17:26
Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki
Wie ist das Erzbistum Köln mit Missbrauchs-Vorwürfen gegen Priester umgegangen? Das sollte ein Gutachten klären. Kardinal Woelki will es nicht veröffentlichen.

Das Erzbistum Köln will die „Unabhängige Untersuchung über sexuellen Missbrauch“ nicht veröffentlichen, die die Münchner Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl in dessen Auftrag und nach dessen Vorgaben angefertigt hat. Seit dem Winter hatten mehrere im Rheinland ansässige Kanzleien, darunter eine, die seit vielen Jahren die Deutsche Bischofskonferenz berät, und eine zweite, die oft von der AfD mandatiert wird, „äußerungsrechtliche“ Zweifel an dem Vorgehen der Kanzlei gesät.

Nun haben Kardinal Rainer Maria Woelki und sein Generalvikar Markus Hofmann „mehrere renommierte Juristen“ gefunden, die darlegen, das Münchner Gutachten leide „an durchgreifenden methodischen Mängeln“. Wie das Erzbistum ankündigte, soll nun ein Kölner Fachanwalt für Strafrecht, der in der Vergangenheit mit einer der beiden rheinischen Kanzleien zusammengearbeitet hat, die Untersuchung „neu fassen“. Kardinal Woelki ließ sich abermals mit Worten zitieren wie „Hinsehen und Handeln ist unser Anspruch und unser Auftrag“.

Der Betroffenenbeirat des Erzbistums, der das Münchner Gutachten nicht kennt, hieß pauschal alle Schritte der Bistumsleitung gut. Sprecher Patrick Bauer erkannte „handwerkliche Fehler“, die eine neue Untersuchung nötig machten. Man erwarte weiter, dass das Erzbistum nach Vorlage der Untersuchung „Konsequenzen“ ziehe. Das Bistum Aachen will Mitte November eine Untersuchung der Münchner Kanzlei veröffentlichen, die nach denselben Vorgaben wie die Kölner angefertigt wurde.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Deckers, Daniel
Daniel Deckers
in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.
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