Lauterbach macht Inventur

Impf-Zählappell

EIN KOMMENTAR Von Thomas Holl
09.12.2021
, 20:26
Reicht es für 30 Millionen Auffrischimpfungen bis Weihnachten?
Kaum im Amt, lässt der neue Gesundheitsminister den Impfstoff-Bestand überprüfen. Wenn viel fehlt, ist jedenfalls jemand anderes Schuld.
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An Tag zwei im Amt kündigt der neue Gesundheitsminister und oberste Pandemiebekämpfer Karl Lauterbach eine Maßnahme an, die als politisches Ausweichmanöver am Anfang jeder Regierungsarbeit nie verkehrt ist. Erst mal schauen, was sein Vorgänger ihm überhaupt an Impfdosen-(Bestellungen) hinterlassen hat. Wenn die obendrein von einem General (!) begleitete Impfstoff-Inventur Lücken im Bestand offenbart, lässt sich das prima als schwere Erblast der Ära Spahn verkaufen. Sollte dann die von Kanzler Scholz ausgegebene Zielmarke von 30 Millionen Booster-Impfungen bis Weihnachten unrealistisch werden, gibt es wenigstens einen Schuldigen mit CDU-Parteibuch. Doch auch der von Volkes und Twitters Stimme ins Amt getragene Lauterbach muss erst noch beweisen, ob er, anders als Spahn, zum Corona-Bezwinger wird.

Im Blick auf die wegen der Omi­kron-Variante drohende fünfte Welle im Frühjahr macht Österreich jedenfalls bei der Impfpflicht mit einem Gesetzentwurf deutlich mehr Tempo als Deutschland. Auch der darin enthaltene Passus, dass Impfverweigerer eine saftige Geldstrafe durch „Herausimpfen“ abwenden können, ist klug gedacht. Klug wäre auch die schnelle Einrichtung eines zentralen Impfregisters, wie im Nachbarland. Der Städte- und Gemeindebund hat recht, wenn er dies von Lauterbach einfordert.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Holl, Thomas
Thomas Holl
Redakteur in der Politik.
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