Forschungsministerin Karliczek

„Menschen werden Impfstoff nur vertrauen, wenn er sicher ist“

Von Heike Schmoll, Berlin
01.12.2020
, 15:45
Forschungsministerin Karliczek dringt darauf, das Zulassungsverfahren für Corona-Impfstoffe nicht zu beschleunigen. Es sollten die gleichen Standards „wie eh und je“ gelten. Eine Impfpflicht werde es nicht geben, verspricht sie.

Einen Tag nach dem amerikanischen Biotechunternehmen Moderna hat nun auch die Mainzer Firma Biontech die Zulassung für einen Corona-Impfstoff in der EU beantragt. Vor einer Woche hatten Biontech und der amerikanische Konzern Pfizer schon eine Notzulassung bei der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA beantragt. In Europa gelten strengere Regeln, eine bedingte Zulassung unter Auflagen ist in der EU nur dann möglich, wenn ausreichend überzeugende Daten zu Unbedenklichkeit und Wirksamkeit vorliegen. Darauf hat das Paul-Ehrlich-Institut hingewiesen, das in Deutschland für die Impfstoffzulassung zuständig ist.

Selbst wenn es nur eine bedingte Zulassung geben sollte, ist eine Auslieferung nach Angaben von Biontech wenige Stunden später möglich. Schwierig ist allerdings, dass der Impfstoff bei minus 70 Grad transportiert und gelagert werden muss. Biontech und Pfizer haben deshalb ein spezielles Transportsystem mit Kühlboxen entwickelt.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) plädierte am Dienstag in Berlin für eine einheitliche Regelung für alle vergleichbaren Impfstoffe. „Wir sollten eine normale Zulassung beantragen. Die Standards der Zulassung sind die gleichen wie eh und je und wir haben strenge Zulassungsstandards“. Es könne nicht sein, dass Anforderungen abgeschwächt werden, nur weil die Welt auf einen Impfstoff warte. „Die Menschen werden einem Impfstoff nur vertrauen, wenn er sicher und wirksam ist“. Die Genehmigungsbehörden beobachteten die Wirkungen auch nach der Zulassung weiter. Dennoch gelte es, umfassend über die Wirkstoffe aufzuklären.

Zufrieden mit dem Tempo der Impfstoffentwicklung

Es werde möglicherweise auch Unterschiede in der Wirksamkeit geben, die sich erst im Laufe der Zeit herausstellten, „je breiter das Angebot, desto besser“. Karliczek wies darauf hin, dass das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) die Forschung gegen Sars CoV-2 in den vergangenen Monaten mit über 1,2 Milliarden Euro unterstützt hat. Für das Sonderprogramm zur Beschleunigung von Forschung und Entwicklung von Impfstoffen waren es allein 750 Millionen Euro.

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Grundsätzlich sei die BMBF sehr zufrieden mit dem Tempo der Impfstoffentwicklung und den ersten Zulassungsanträgen. Doch damit ergeben sich neue Herausforderungen: „Das eine ist die Zulassung, das andere ist der Transport und natürlich brauchen wir auch genügend Personal zum Verimpfen. Und das ist ein Engpass.“ Die rasche Verimpfung könnte also durch Personalmangel in Impfzentren erschwert werden. Ungewiss ist nach wie vor, wie lange der Impfstoff wirkt und ob er auch gegen die Infektion als solche schützt.

Die Bundesbildungsministerin bekräftigte abermals, dass es keine Impfpflicht geben werde. Virologen lassen keinen Zweifel daran, dass eine echte Besserung im Pandemiegeschehen nur dann eintritt, wenn zwischen 55 und 65 Prozent der Gesamtbevölkerung geimpft sind. Das könnte je nach Entwicklung der Impfstoffe und ihrer Nebenwirkungen bis Spätherbst des Jahres 2021 dauern. Bis dahin gelte es, weiter Disziplin aufzubringen, sagte Karliczek, die bekannten Hygiene-und Schutzmaßnahmen würden das Land noch weiter begleiten.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Schmoll, Heike
Heike Schmoll
Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.
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