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Katholische Kirche

Die Liebe im Blick, nicht die Defizite

Von Daniel Deckers
 - 14:46
In Köln diskutierten die Vertreter der katholischen Laien unter anderem über den umstrittenen Reformprozess der Kirche.

Eine Woche vor dem Auftakt des „Synodalen Wegs“ hat sich die Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) für die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare in der katholischen Kirche ausgesprochen. In einer mit überwältigender Mehrheit gebilligten Erklärung heißt es, die Kirche solle nicht zuerst auf vermeintliche Defizite von Paaren schauen, sondern auf die Liebe, die Paare miteinander lebten, und die Gottessehnsucht, die sich in ihrem Wunsch nach einem kirchlich vermittelten Segen ausdrücke. Die bislang praktizierte pauschale Abwertung von Partnerschaften, die keine sakramentale Ehe eingehen können, hält das ZdK für nicht länger tragbar. Diese sollten zumindest die Möglichkeit haben, innerhalb einer liturgischen Feier gesegnet zu werden.

Die Erklärung des ZdK liegt auf der Linie einer Neuformulierung der Sexualmoral der Kirche und der entsprechenden seelsorglichen Praxis, die schon 2015 in einen ersten Beschluss gemündet war. Im Blick auf die damals bevorstehende Familiensynode in Rom sprach sich die Vollversammlung dafür aus, angesichts der Spannungen zwischen den Aussagen des päpstlichen Lehramtes über Ehe und Familie und der von pluralen Familienformen geprägten Lebenswelt der Christen Brücken zu bauen. Eine dieser Brücken bestehe in der „Weiterentwicklung von liturgischen Formen“ für die Segnungen gleichgeschlechtlicher Partnerschaften und neue Partnerschaften Geschiedener.

Seither hat sich nicht nur das ZdK mit diesem Thema befasst. Der Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz stellte schon Anfang 2018 einen Vorschlag zu kirchlichen Segensfeiern zur Diskussion. Auch in Partnerschaften, in denen eine katholische Eheschließung nicht möglich sei, gebe es „sittlich Gutes: Treue, Fürsorge, Verantwortung, Verpflichtung“. Dieses Gute verdiene gutgeheißen zu werden und sei, „wo Glauben ins Spiel kommt, segenswürdig“. Als Bedingung für eine Segensfeier nannte Eltz damals eine „verbindliche öffentliche Erklärung der Partner, dass die Partnerschaft auf Lebenszeit angelegt ist“. Das könne zum Beispiel durch die im Standesamt vollzogene staatliche Eheschließung zum Ausdruck gebracht werden. Eine solche verbindliche Partnerschaft verdiene Respekt. Gottes Segen werde demnach für eine „gelingende Zukunft von etwas, das es bereits gibt“, erbeten. Damit sei eine Verwechslung mit der kirchlichen Eheschließung ausgeschlossen.

Auch das ZdK sieht im Fall der Einführung liturgischer Segensfeiern nicht die Gefahr, dass es zu einer Verwechslung mit der Feier des Ehesakramentes kommen könne. „Bereits heute verfügt unsere Kirche über eine reiche Vielfalt bei liturgischen Feiern“, heißt es in dem Beschluss. Erarbeitet wurde dieser von einer größeren Gruppe aus Vertretern der theologischen Wissenschaft, kirchlicher Einrichtungen, katholischer Verbände und Dachorganisationen sowie der Diözesanräte. Das ZdK sieht sich dadurch als „Knotenpunkt für diese Thematik im kirchlichen Spektrum“.

Im Blick auf den Synodalen Weg, der am kommenden ersten Adventssonntag im Rahmen eines Gottesdienstes in München eröffnet werden soll, heißt es in dem Beschluss, das ZdK bringe „Votum und Argumente in die noch offenen Beratungen des Synodalen Weges für kirchliche Segensfeiern für Paare (ein), die um einen Segen für sich und das Gelingen ihrer Beziehung bitten“. Die theologischen Argumente, auf deren Grundlage gleichgeschlechtliche Paare, die in einer auf lebenslange Dauer angelegten Beziehung lebten, nicht nur von der sakramentalen Eheschließung, sondern auch von den Segenshandlungen der Kirche ausgeschlossen würden, entsprächen „weder dem Stand der Erfahrung noch dem der Reflexion“.

„Neubesinnung auf das Wesen menschlicher Beziehungen“

Von den Diözesanbischöfen erwartet das Zentralkomitee die Bereitschaft „zu einer gemeinsamen, pastoral sensiblen und theologisch begründeten Neubesinnung auf das Wesen menschlicher Beziehungen“. Die Bischöfe, so heißt es, müssten ihre seelsorgliche Verantwortung für die Gläubigen wahrnehmen und Segensfeiern für alle Paare ermöglichen, die den Segen Gottes für ihre Partnerschaft erbäten. Das Kirchenrecht steht nach Meinung des ZdK einem solchen Vorhaben nicht im Weg. Kanon 838 Paragraph 4 sehe vor, dass es „dem Diözesanbischof (zu)steht (…), in der ihm anvertrauten Kirche innerhalb der Grenzen seiner Zuständigkeit Normen für den Bereich der Liturgie zu erlassen, an die alle gebunden sind“.

Ob sich diese Zuständigkeit auch auf Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare erstreckt, wird indes von zuständiger Seite vehement bestritten. Während einer Fachtagung des Bistums Limburg, die sich im September mit diesem Thema beschäftigte, bestritt der Untersekretär des Päpstlichen Rates für die Gesetzestexte, der deutsche Salesianer Markus Graulich, vehement die Möglichkeit, das Kirchenrecht in dieser Weise zu interpretieren.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Deckers, Daniel
Daniel Deckers
in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.
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