Kultusministerkonferenz

„Das Schuljahr soll mit so viel Normalität wie möglich starten“

Von Tobias Schrörs
11.06.2021
, 16:49
Wieder Präsenzunterricht für alle: Schülerinnen und Schüler einer gemischten Klasse der Stufen 4 bis 6 am 9. Juni an der Fritz-Karsen-Schule im Berliner Ortsteil Britz
Die Kultusminister rechnen damit, dass nach den Sommerferien für alle Jahrgänge und in allen Fächern wieder regulärer Präsenzunterricht möglich ist. Bei der Frage, ob die Schüler dann noch Masken tragen müssen, bleiben sie vage.

Wenn es nach der Kultusministerkonferenz (KMK) geht, kehren Schulen nach den Sommerferien wieder zum Regelbetrieb zurück. „Unser Wunsch ist: Das Schuljahr soll mit so viel Normalität wie möglich starten“, sagte die KMK-Präsidentin und brandenburgische Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) am Freitag. Das bedeutet, „dass wir von einem regelhaften Präsenzunterricht in allen Fächern und allen Jahrgängen ausgehen“.

Einen entsprechenden Beschluss hatte die KMK am Donnerstag gefasst. Darin findet sich viel Lob für Schüler, Eltern und Lehrer, die in den vergangenen Monaten angesichts der Einschränkungen „Großes geleistet“ hätten. Die Kultusminister heben die positive Entwicklung des Infektionsgeschehens und der Impfzahlen hervor. Zudem verweisen sie darauf, dass laut Robert Koch-Institut von Kindern und Jugendlichen „keine treibende Kraft in der aktuellen Situation“ ausgehe.

Zugleich hob Ernst hervor, dass der Regelbetrieb nicht an bestimmte Impfquoten gebunden sei. Die meisten Lehrer hätten Gelegenheit gehabt, sich impfen zu lassen. Mit Blick auf die Frage der Impfung von Kindern verwies die KMK-Präsidentin auf die Verantwortung der Eltern und die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO). Die hatte am Donnerstag entschieden, Impfungen von Kindern und Jugendlichen nur bei bestimmten Vorerkrankungen oder anderen Risikofaktoren zu empfehlen. Allerdings sind Impfungen vom Alter von zwölf Jahren an auf Wunsch und nach ärztlicher Beratung für alle möglich.

Britta Ernst (SPD), Ministerin für Bildung, Jugend und Sport in Brandenburg und Präsidentin der Kultusministerkonferenz
Britta Ernst (SPD), Ministerin für Bildung, Jugend und Sport in Brandenburg und Präsidentin der Kultusministerkonferenz Bild: ZB

Bei der Frage, ob nach den Ferien noch Masken in den Klassenzimmern getragen werden sollen, bleibt die KMK vage. Zu Hygienemaßnahmen heißt es im Beschluss unter anderem, der Regelbetrieb solle „unter Beachtung der je nach Infektionsgeschehen geltenden Infektionsschutz- und Hygienemaßnahmen“ stattfinden. Maskenpflicht und Teststrategien seien ebenso wie konsequentes Lüften „auch im neuen Schuljahr unter Berücksichtigung des Infektionsgeschehens in Betracht zu ziehen“.

Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe (SPD) warb um Verständnis dafür, dass es keine einheitliche Richtlinie für Deutschland geben könne. Die Lage sei abhängig von der Entwicklung der Pandemie in den einzelnen Ländern. Offenbar sind sich diese beim Thema Masken uneins. Rabe sagte, man könne erkennen, „dass es bei der Maske die größten Diskussionen gibt“. Beim Testen an Schulen gebe es eher einen Konsens.

Eng verbunden mit der Testpflicht ist die Präsenzpflicht. Rabe verwies darauf, dass diese in den meisten Ländern aufgehoben werde, wenn Eltern ihre Kinder nicht testen ließen. Das scheint aber äußerst selten der Fall zu sein. Der hessische Kultusminister Alexander Lorz (CDU) sagte, dass der Schulbetrieb nach dem Willen der KMK mit allen Aspekten wiederaufgenommen werden solle; das betreffe ausdrücklich etwa auch Klassenfahrten und Exkursionen.

Die Minister hatten sich am Donnerstag nicht nur mit der Rückkehr zum Schulalltag befasst, sondern auch mit dessen Schattenseiten. Gemeinsam mit dem Zentralrat der Juden und der Bund-Länder-Kommission der Antisemitismusbeauftragten verabschiedete die KMK eine Empfehlung für den Umgang mit Antisemitismus an der Schule. „Antisemitismus wird nicht geduldet und darf nicht ohne Folgen bleiben“, sagte KMK-Präsidentin Ernst. Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, verwies auf zwei Aspekte. Es gehe darum, über Juden im Unterricht nicht nur als „Opfergruppe“ in den Jahren 1933 bis 1945 zu sprechen, sondern mehr Wissen um jüdisches Leben insgesamt zu vermitteln. Zudem müssten Lehrer befähigt werden, mit Antisemitismus umzugehen. „Wenn auf dem Schulhof ,Du Jude‘ als Schimpfwort gebraucht wird, dann erwarte ich, dann erwarten wir, dass Lehrer adäquat reagieren.“

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Schrörs, Tobias
Tobias Schrörs
Politikredakteur.
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