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Foto: Julia Zimmermann


Schöne leere Welt

Von MARLENE GRUNERT

Alles zieht nach Berlin. Der Wohnraum wird knapp. Aber selbst in den beliebtesten Vierteln sind Häuser verwaist, vermutlich aus Spekulationsgründen. Die Stadt versucht bisher vergeblich, dagegen vorzugehen.

Wer einen Eindruck vom Berliner Immobilienmarkt bekommen möchte, kann einen Gang durch Kreuzberg 61 unternehmen. Nördlich des Viktoriaparks liegt dort, im größeren und traditionell bürgerlicheren Teil Kreuzbergs, die Wohnanlage Riehmers Hofgarten. Ende des 19. Jahrhunderts ließ der Maurermeister Wilhelm Riehmer zwischen Hagelberger Straße, Großbeeren- und Yorckstraße zwanzig vier- und fünfgeschossige Mietshäuser im Stil der Neorenaissance bauen. 

Stadtplan von 1912 zeigt Riehmers Hofgarten
Stadtplan von 1912 zeigt Riehmers Hofgarten Bild: Archibook

Sie sind um mehrere Innenhöfe mit Grünanlagen und hohen Bäumen gruppiert; die Fassaden sind prächtig, auch zur Hofseite hin. Es gibt ein Kino, Restaurants und einen Spielplatz, auf dem Kinder der Anlage, aber auch aus der Nachbarschaft spielen. Abends werfen Straßenlaternen von Schinkel mattes Licht. Eine Insel mitten in der Stadt, die doch zugänglich ist und deren Höfe wie Dorfplätze genutzt werden. Seit 1953 steht die Anlage unter Denkmalschutz.

Heute steht ein Großteil leer, ganze Häuserflügel wirken verwaist. In einigen Erdgeschossen sind die Rollläden heruntergelassen, hinter zahlreichen Fenstern ist nur Weiß zu sehen, als habe man dahinter Leinwände hochgezogen. Mehrere Scheiben sind eingeworfen. Ein „Salve“ aus Mosaiksteinen schmückt die Eingangsbereiche, dahinter wirken viele Flure geisterhaft; Briefkästen wurden abmontiert. Mindestens 80 der etwa 200 Wohnungen stünden aus Spekulationsgründen seit 13 Jahren leer, berichten Mieter, die namentlich nicht genannt werden wollen. Damals verkauften die langjährigen Eigentümer den Hofgarten an einen Investor, einen irischen Schweinezüchter. Frei werdende Wohnungen seien seitdem nicht wieder vermietet worden – in einer Stadt, deren Immobilienmarkt so angespannt ist, dass zu einer Besichtigung in Schöneberg jüngst mehrere hundert Menschen erschienen. Der Hausverwalter gab Anweisungen per Megafon.

In den vergangenen Jahren sind die Berliner Immobilienpreise schnell gestiegen. Laut Forschungsinstitut Empirica lag der durchschnittliche Quadratmeterpreis für Eigentumswohnungen im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg 2008 bei etwa 2900 Euro, 2018 waren es gut 6100 Euro; das ist eine Steigerung um 110 Prozent. Da lohnt es sich, Wohnungen leer stehen zu lassen, weitere Steigerungen abzuwarten und sie dann unvermietet zu verkaufen. Um zu verhindern, dass Immobilieneigentümer Fluktuationen auf diese Weise nutzen, hat Berlin 2014 ein Zweckentfremdungsverbot erlassen. Seitdem dürfen Eigentümer ihre Wohnungen maximal drei Monate unvermietet lassen. Am Leerstand in Riehmers Hofgarten habe das nichts geändert, sagen die Mieter.

Sie erzählen, der irische Eigentümer habe aus der Anlage eine „Gated Community“ machen wollen, Zahlenschlösser an die Hoftore angebracht, Kameras installiert und „Boarding Houses“ eingerichtet, Ferienwohnungen im englischem Landhausstil. „Londoner Verhältnisse“ habe er im Sinne gehabt. Als die Mieterschaft dagegen protestiert habe und Investitionen im Zuge der Finanzkrise sich nicht ausgezahlt hätten, habe der Eigentümer gewechselt. 

Spekulationsobjekt? Seit 1953 steht der Hofgarten unter Denkmalschutz Fotos: Julia Zimmermann

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05.12.2019
Quelle: F.A.Z.

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