FAZ plus ArtikelKirchenstreit in Sachsen

Friedliche Revolution hier, musikalische dort

Von Reinhard Bingener, Leipzig
24.10.2021
, 08:25
Gottesdienst in der Leipziger Thomaskirche im Dezember 2020
In Leipzig eskaliert der Streit um den Zusammenschluss zweier berühmter, aber höchst unterschiedlicher Kirchengemeinden. Gegen die Landeskirche ziehen die Gemeinden nun vor das Verwaltungsgericht.
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Die Friedliche Revolution im Herbst 1989 nahm auch bei den Montagsgebeten in der Leipziger Nikolaikirche ihren Ausgang. Rund 250 Jahre vorher verband sich eine andere Leipziger Kirche auf glückliche Weise mit der Geschichte: Johann Sebastian Bach, einer der bekanntesten und bedeutendsten Musiker überhaupt, wirkte von 1723 bis 1750 als Kantor der Leipziger Thomaskirche, in der auch sein Grab liegt. Prächtige Bauwerke sind die beiden alten Kirchen St.Thomas und St. Nikolai obendrein. Aber davon gibt es trotz vieler Kriegszerstörungen noch immer etliche im Land. Dass sie Erinnerungsorte von mindestens nationalem Rang sind, Orte einer politischen und einer musikalischen Revolution, hebt die beiden Leipziger Kirchengemeinden von anderen ab.

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Nun aber soll es St. Thomas und St. Nikolai so ergehen wie vielen anderen Gemeinden in Deutschland und ganz besonders in Ostdeutschland: Sie sollen zusammengeschlossen werden. Im konkreten Fall geht es nicht um eine vollständige Fusion. Im Rahmen seiner „Struktur- und Stellenplanung“ für die „Region IX“ hat sich das sächsische Landeskirchenamt für die beiden Gemeinden ein „Schwesterkirchverhältnis“ ausgedacht. Das Ergebnis kommt in wesentlichen Punkten aber einer Fusion gleich: Die Pfarrer, Kirchenmusiker und Gemeindepädagogen von St. Nikolai würden künftig im Stellenplan von St. Thomas geführt und der dortige Kirchenvorstand würde über Neubesetzungen der Stellen in der Nachbargemeinde entscheiden.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Bingener, Reinhard
Reinhard Bingener
Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.
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