Linkspartei

Gesine - wer?

Von Oliver Georgi
29.04.2010
, 13:26
Mit ihrem neuen Führungsduo will die Linkspartei Ost und West vereinen - in der Theorie. In der Praxis aber stehen diesem Ziel noch unüberwindliche Hindernisse entgegen, wie jetzt der saarländische Landesvorsitzende unter Beweis stellte.

Man muss sich Sorgen machen um die Linkspartei, ganz ehrlich. Und sich fragen, ob das alles nicht ein schlechtes Omen ist, was sich am Mittwochabend in Saarbrücken zutrug. Dort wollte sich der designierte Parteivorsitzende Klaus Ernst den saarländischen Genossen vorstellen, und sehr zur Erschütterung der Anwesenden sprach der Landesvorsitzende Rolf Linsler zuvor ein paar einführende Worte. Linsler begrüßte höflich, um dann aber schnell zur Sache zu kommen: Neben Oskar Lafontaine, ließ er den Saal wissen, der aus Wahlkampfgründen leider verhindert sei, wäre auch Gedine Lötzsch zu gern gekommen, um sich gemeinsam mit Klaus Ernst als künftige Parteispitze vorzustellen. Leider sei aber auch Gedine verhindert, zu dumm, deshalb lasse sie sich auf das Reizendste entschuldigen. Gedine? Ja, Linsler blieb dabei, Gedine, und ließ sich erst vom Gegenteil überzeugen, als der halbe Saal inklusive Ernst mindestens drei Mal beherzt „Gesine, Rolf. Gesine!“ gebrüllt hatte.

Nun kann man sagen: Gut, der Rolf Linsler hat's nicht so mit Namen, und dazu die Hitze an dem Tag, da kann schon mal was verrutschen. Und außerdem: Warum muss die Gesine auch Gesine heißen und nicht Petra oder Brigitte, irgendwas halt, das man sich leicht merken kann? Könnte man. Was aber, wenn etwas ganz anderes dahinter steckt, etwas viel Grundlegenderes? Was, wenn der Genosse Linsler am Ende gar nicht weiß, wer Gesine Lötzsch ist? Und wenn der Genosse Linsler damit gar nicht allein ist, sondern für die ganze Partei steht, die nur mit „Oskar“ etwas anfangen kann und vielleicht noch mit „Klaus“, nicht aber mit Gedine Lötzsch, Pauline Pau oder Sandra Wagenknecht? Die Linkspartei, die doch gerade so paritätisch sein und Ost und West in Harmonie vereinen will, sie wird doch nicht ausgerechnet auf dem östlichen Auge blind sein?

So kann man nicht zusammenwachsen

Nein, so wächst nie zusammen, was doch zusammenwachsen soll, und das wiederum kann selbst einem notorisch gut gelaunten WASG-Franken wie Klaus Ernst die Sorgesfalten auf die Stirn treiben. Weder Ost noch West, erklärte er den von Linsler erschöpften Genossen, dürfe in der Partei künftig den Eindruck haben, vom anderen dominiert zu werden. Deshalb habe man sich für die künftige Parteispitze nicht nur für eine Mann-Frau-, sondern auch für eine West-Ost-Quote entschieden. Die Genossen applaudierten artig, so viel Umsicht kommt an. Nur Rolf Linsler wirkte ein wenig nachdenklich. Vielleicht erinnerte er sich gerade daran, dass auch Gregor Gysi schon oft von der besseren Zusammenarbeit zwischen West und Ost gesprochen hat - bevor er den Ostdeutschen Dietmar Bartsch auf Druck des Westdeutschen Oskar Lafontaine aus dem Amt drückte.

Aber Schwamm drüber, vielleicht ist das alles auch nur böse Nachrede - und Ost und West können doch toll miteinander in der Linkspartei. In diesem Fall hätte Linslers Verrutscher lediglich bewiesen, was sich schon lange angedeutet hat: Die Linkspartei hat schlicht und ergreifend ein Vornamen-Trauma. Seit dieser Sache mit Gedine Schwan.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Georgi, Oliver
Oliver Georgi
Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Nachrichten und Politik Online.
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