Überwachung von Sateliten

Die Luftwaffe schaut in den Weltraum

Von Peter Carstens, Kalkar
Aktualisiert am 21.09.2020
 - 11:39
Annegret Kramp-Karrenbauer am Montag im Weltraumlagezentrum der Bundeswehr in Uedem
Das „Zentrum Weltraumoperationen“ soll 2022 komplett einsatzbereit sein. Dort will die Bundeswehr den Satellitenverkehr beobachten. Die Hauptaufgabe besteht darin, vor in die Atmosphäre eindringenden Objekten zu warnen.

Die Bundeswehr will künftig den Weltraum genauer in den Blick nehmen. Intensiver als bislang sollen spezialisierte optische und elektronische Einrichtungen den Satellitenverkehr überwachen, um eigene, europäische und internationale Bewegungen im All zu beobachten und vor Gefahren zu warnen. Der Weltraum wird von immer mehr Staaten auch als Operationsraum betrachtet. Im Falle militärischer Konfrontation würde es wohl auch dort zu Auseinandersetzungen kommen. Länder wie Indien und China haben unter Beweis gestellt, dass sie mit ballistischen Waffen auch Satelliten erreichen und abschießen können, ebenso können Satelliten Ziel von Cyber-Attacken sein.

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer stellte am Montag am Niederrhein ein „Luft- und Weltraum-Operations Center“ (Air and Space Operations Centers), kurz ASOC in Dienst. „Die Dimension Weltraum muss in Zukunft mehr mitgedacht werden“, sagte die Ministerin bei ihrem Besuch. Der weithin rechtsfreie Weltraum müsse, so sagte sie, künftig besser durch internationale Übereinkommen geregelt werden. Die Einrichtung in der Nähe von Kalkar unter der Führung der Luftwaffe setzt sich aus bereits bestehender Infrastruktur von Radar und Teleskop-Systemen, etablierter und neuer Organisation zusammen. Die Weltraumbeobachter der Luftwaffe sind derzeit in Containern auf dem Gelände untergebracht, ein „Zentrum Weltraumoperationen“ soll im Frühjahr 2022 fertig werden.

Militärische Technik wird dort in Kooperation mit ziviler der deutschen- Luft- und Raumfahrt eingesetzt. Das Ziel, so heißt es bei der Bundeswehr, sei der Schutz der kritischen Weltrauminfrastruktur von der Deutschland mit seiner hochgradig Vernetzten Wirtschaft und Infrastruktur „tiefreichend abhängig“ sei. Eine weitere Aufgabe des ASOC soll darin bestehen, vor in die Atmosphäre eintretenden Objekten – etwa Satellitenschrott – frühzeitig zu warnen. Das betrifft sowohl die Betreiber der Satelliten, die dann teilweise mit Kurskorrekturen reagieren können, aber auch Gegenden auf der Erde, bei denen ein Eintritt von Teilen zu erwarten ist. Gegenwärtig wird etwa der Wiedereintritt des Satelliten „Starlink 56“ beobachtet, der allerdings voraussichtlich verglühen wird. Die Warnungen gehen bis an regionale Polizeidienststellen, die gegebenenfalls Anrufe aus der Bevölkerung erhalten, wenn Himmels-Phänomene beobachtet werden wie der sichtbare Eintritt und das Verglühen eines Alt-Satelliten.

100 neue Dienstposten

Derzeit befinden sich im Weltraum etwa 2000 Satelliten, von denen etwa 200 Deutschland zuzurechnen sind, zivil und militärisch. Nachdem in der Frühzeit der Raumfahrt große Anlagen in den Orbit gebracht wurden, sind heute Satelliten kaum größer als ein Kühlschrank und wiegen um die 200 Kilogramm. Luftfahrtexperten rechnen mit einem starken Anwachsen des Weltraumverkehrs in der Zukunft, „20.000 bis 30.000 Satelliten in den kommenden Jahren, so der Kommandeur des Zentrums Luftoperationen, Generalleutnant Klaus Habersetzer. Gefahr für eigene Satelliten geht von der wachsenden Menge von so genanntem „Weltraumschrott“ aus. Das sind Teile alter Anlagen, die mit bis zu 7 Kilometer pro Sekunde im Weltraum unterwegs sind. Deutsche Radar- und Optikanlagen können im Weltraum Teile ab einer Größe von 5 bis 10 Zentimetern erfassen. Amerikanische Anlagen, die allerdings um das zehnfache teurer sind, können noch kleinere Teile erfassen.

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In Kalkar befindet sich bereits das Zentrum Luftoperationen zur Planung und Führung von Luftoperationen sowohl der Luftwaffe als auch für die Nato. Von dort aus werden sämtliche Flugbewegungen, zivil und militärisch, beobachtet. Sofern etwa die Flugsicherung ein Flugzeug vom Radar verliert oder der Funkkontakt abbricht, wird man hier tätig. Im Falle eines Falles steigt eine der in steter Bereitschaft befindlichen Alarmrotten auf, jeweils zwei Eurofighter. Mit in der Einrichtung vertreten ist auch die Bundespolizei.

In Kalkar sind rund 1600 militärische und zivile Mitarbeiter beschäftigt, 250 von ihnen kommen aus insgesamt 24 Nationen. Für die neuen Aufgaben kommen nun rund 100 Dienstposten hinzu. Die baulichen Voraussetzungen müssen überwiegend erst geschaffen werden, Investitionen für rund 200 Millionen Euro sind bis 2028 an der „Luftverteidigungsanlage Paulsberg“ und in der „von Seydlitz-Kaserne“ in Kalkar geplant.

Das neu konfigurierte Luft- und Weltraum-Lagezentrum soll rund um die Uhr das Geschehen im Weltraum überwachen, soweit man es von Deutschland aus kann. Die Möglichkeiten dazu sind allerdings begrenzt, denn Deutschland verfügt über keinerlei Territorien oder Stützpunkte in Übersee, auf denen Anlagen zur Weltraumbeobachtung installiert werden könnten. Es wird also weiterhin bei einer starken Abhängigkeit von Partnern bleiben, allen voran von den Vereinigten Staaten von Amerika.

Quelle: FAZ.NET
Peter Carstens - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Peter Carstens
Politischer Korrespondent in Berlin
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